Falsche Schnitt-, Stoff- oder Größenwahl (Fails! 4.1)

Ursprünglich hatte ich bei dieser Runde an Bademode gedacht. Zwar habe ich in der Vergangenheit schon mehrfach Badesachen genäht, so richtig überzeugt hat mich aber das Ergebnis nie. Quasi in letzter Minute habe ich mich umentschieden (es regnet hier schon seit Stunden); ich war diesen Sommer noch nicht am Strand und werde es voraussichtlich auch nicht oft sein. Alternativ widmet sich diese Runde Refashion. So gibt es ein paar selbst genähte Sachen, die es nicht in meinen Alltag geschafft haben. Vielleicht lässt sich ihnen ja mit Eurer Hilfe neues Leben einhauchen.

Marett von Colette

Die Marlenehose habe ich letzten Sommer genäht. Leider VIEL zu groß und der Viskose-Twill gibt beim Tragen zusätzlich nach. Was mich bei den Probe-Shorts nicht stört – im Gegenteil, ich trage sie bei den entsprechenden Temperaturen gern – dass sie auf die Hüfte rutscht, macht mich bei der finalen Version wahnsinnig. Ich habe das Gefühl, es zieht mir die Hose beim Laufen aus. Zurecht hattet Ihr damals Gürtelschlaufen vorgeschlagen, um das Problem zu beheben. Leider konnte ich mich nicht dazu aufraffen, vielleicht weil ich befürchte, dass es nicht ausreicht und der Bund dann nach Paperback aussieht. Eigentlich müsste man den Bund wieder abtrennen und die Mehrweite über die Abnäher und die hintere Mitte rausnehmen. Dort ist aber der Reißverschluss… Das war wohl der Moment, in dem ich mich schnell einem neuen Projekt zugewandt habe.

Hinzu kommt, dass inzwischen andere Schnitte für diese Art von “Boss Trousers” erschienen sind, die mich mehr reizen, wie z. B. Burda H/W 2019 #6286A oder die Jackie Trousers von By Hand London. Na, ja vielleicht auch der Reiz des Neuen. An dem Viskose-Twill hänge ich aber nach wie vor, die Kombination aus zarter Farbe und schwerem Fall ist der Knaller.

Clémence von Tilly and the Buttons

Der zweite Schnitt ist Clémence – eine Anleitung für einen gekräuselten Rock aus Tilly and The Buttons Buch Liebe auf den ersten Stich. Das Buch (toll für Einsteiger*innen) ist mittlerweile weiterverkauft. Ehrlich gesagt, die große Liebe zwischen uns war es ohnehin nicht. Ich bin damals auf Tilly and the Buttons aufmerksam geworden (neben ihrer Teilnahme an der ersten Staffel des Great British Sewing Bee), weil die Fashion-Historikerin Amber Butchart für einige ihrer Schnitte Modell gestanden hat. Und die BBC-Serie A Stitch in Time von Butchart habe ich geliebt.

Der Rock ist bei mir aus zwei Gründen durchgefallen, die man allerdings nicht dem Buch anlasten kann: Ich mag gekräuselte Röcke an mir nicht. Von Anfang an habe ich mit der Silhouette gefremdelt und konnte das Fremdeln auch nicht überwinden. Der zweite Grund ist die Farbe. Karamell und Vanille, und dann noch mit Streifen. Für mich der Inbegriff des Sommers, am besten in Eisform. Mir war bewusst, dass ich Karamell nicht in Gesichtsnähe tragen sollte, aber dass es selbst meine Beine derart ungesund aussehen lässt, habe ich erst auf den Fotos gesehen. Trotzdem kann ich von dem Stoff nicht lassen.

Herrenhemden

Nr. 3 ist eine Mogelpackung, da die Hemden nicht von mir genäht sind. Aber insofern es dieses Mal um Refashion geht….

Ich habe einen ganzen Stapel davon: feinste Popeline! H. gehen die Hemden in der Regel zuerst am Kragen und den Manschetten kaputt, der Stoff selbst ist in Ordnung. Normalerweise benutze ich den Stoff für Hosentaschen, aber so viele Hosen mag selbst ich nicht nähen. Und obwohl Männerhemden das Refashion-Objekt schlechthin sind, ist mir noch nichts dazu eingefallen.

Stoffe sprechen bekanntermaßen – zumindest zu Nähnerds. Sie flüstern aber nicht jedem dasselbe zu. Wenn Ihr irgendwelche Ideen zu den Stoffen hier habt, immer her damit. Ich freue mich darüber.

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23 Kommentare

  1. Aus alten Herremhemden die hier meist farblich Ton in Ton zusammen passen, könnte man neue machen indem Kragen und Tasche aus einem anderen fabriziert werden. Oder in Streifen geschnitten zu einem neuen Stoff zusammen genäht für eine Bluse, Hemdkleid oder Quilt nutzen. Masken gehen auch oder Taschentücher, wer das mag. Viele Grüße Tily

    • Manuela

      Ja, an Blusen hatte ich auch gedacht, weil sie ähnlich wie Hemden aufgebaut sind und sich so viel Stoff wiederverwerten lässt.
      Lieben Dank für die Ideen & viele Grüße
      Manuela

  2. Bin etwas in Eile, daher kurz, zu dem Hemd: bei Siebner gibt es ein cooles Ideenbuch dazu cut up couture, auch im redesign Buch eines schweizer Verlags einige interessante hemdenumwandlungen, Knopfleiste nach hinten, Ärmel wird zum kragen usw, den rock erinnere ich als eingekräuseltes Rechteck, auftrennen und schauen, für was der Stoff noch reicht, Oberteil, Blüschen oder ä. Ohne arm sollte möglich sein, bei der Hose würde ich zusätzliche abnäher seitlich von der Mitte bzw an den seiten einfügen, am besten verteilen 2 an der Seite, 2 hinten….lg

    • Manuela

      Oh wie aufmerksam, dass Du Dir trotzdem die Zeit genommen hast zu kommentieren! Herzlichen Dank für die Buchtipps. Bei den Titeln klingelt zwar etwas, aber ich habe sie noch nie in der Hand gehabt. Mal schauen, ob es sie vielleicht sogar in der Bibliothek gibt. Hast Du etwas daraus gemacht und verbloggt?
      Liebe Grüße Manuela

  3. Ich würde bei deiner Marlenehose die weite an der Seitennaht entfernen, da setzte ich immer an wenn es zu weit ist, aber der Rest der Passform passt. Weil einen Reissverschluss wieder raustrennen, uh nein, da bin ich ganz bei. Allerdings brauchen so Änderungen bei mir auch ewig, ich müsste mal meine blaue Marlenehose kürzen und enger nähen, aber das wird nicht so schnell passieren. (Seitennaht mit Reissverschluss)

    Aber sollte der Bund verstärkt nicht bleiben wo er ist?

    Ich muss ja gestehen von den beiden anderen Schnitten die dich gerade ansprechen, da gefallen mir die Falten nicht, aber das ist meine ganz persönliche Präferenz.

    LG Sabine

    • Manuela

      Stimmt! Lustig, ich hätte schwören können, dass Marett Hüftpassentaschen hat, während die Fotos eindeutig Seitennahttaschen zeigen. Die Hose ist wirklich nicht oft aus dem Schrank gekommen… Man könnte also die Mehrweite auch über die Seitennähte wegnehmen.
      Es beruhigt mich ja, dass ich offenbar nicht die Einzige bin, die sich mit Änderungen einmal fertiger Kleidungsstücke schwer tut.
      Dank Dir & liebe Grüße
      Manuela

  4. An die schöne Hose erinnere ich mich; der Stoff ist wirklich ein Traum und jetzt wäre die ideale Zeit, sie auszuführen.
    Ich finde die Weite bei dem gut fallenden Stoff ja sehr schön und würde nicht enger nähen, sondern vielleicht ein breites Gummiband in den Bund einziehen zur Verstärkung und Weitenregulierung und natürlich noch die Gürtelschlaufen anfügen, : ).
    Bei Refashion-Möglichkeiten bin ich überfragt; diesbezüglich habe ich Null Erfahrung.
    Und den Rock würde ich wohl auch auseinandernehmen und für ganz etwas anderes verwenden.
    LG von Susanne

    • Manuela

      Ja, dass mit dem Gummiband wird öfters gemacht, wenn der Stoff beim Tragen nachgibt, aber irgendetwas in mir sperrt sich dagegen; ich kann gar nicht sagen, warum das nicht meine Lösung ist. Die weiten Hosenbeine gefallen mir in dem Stoff auch nach wie vor, die würde ich versuchen zu retten.
      Vielen, lieben Dank & herzliche Grüße,
      Manuela

  5. Bei der Marlenehose würde ich die Weite auch von der Seite wegnehmen wie Sabine sagt, wahrscheinlich sogar auf ganzer Länge, also neu zuschneiden. Vielleicht sollte man bei einem schwer fallenden Stoff auf eine Falte verzichten. Den Faltenrock finde ich sehr hübsch. Da hilft nur eins: viel tragen und Sommerbräune bekommen! Aus einem Hemd läßt sich nicht viel mehr als ein Top oder eine Shorts machen, (und auch nur, wenn das Größenverhältnis stimmt) bei mehreren auch Blusen oder weite Patchworkröcke. Die Schnittteile müssen kleiner sein, weil weniger Stoff zur Verfügung steht. Du kannst in jedes Schnittmuster noch Unterteilungen einfügen. Besonders interessant wird es aber, wenn Teile wiedererkannt werden können. Da wünsche ich viel Spaß beim Designen! Regina

    • Manuela

      Ja, das ist die hohe Kunst des Upcycling/Refashion, dass man das alte Kleidungsstück im neuen wiedererkennt und trotzdem etwas Stimmiges entsteht. Ich betrete allerdings mit Refashion Neuland und habe Angst, dass es bei zu viel Ambition am Ende eher nach Designunfall aussieht. Wahrscheinlich beim ersten Mal doch eher ein Top…
      Herzlichen Dank & liebe Grüße
      Manuela

  6. Ich hebe alle meine Finger für die Marett. Das wäre zu schade, wenn die ein Schrankdasein fristen müsste. Und versprochen: so lange dauert eine Bundanpassung gar nicht (hüstel, der Änderungsstapel hinter mir stimmt begeistert zu…)
    Den Rock finde ich auf dem Foto sehr stimmig und elegant, aber wenn das Gefühl etwas anderes sagt, hilft gutes Zureden auch nichts. Wenn du den Stoff weder als Oberteil noch als Rock magst, bleiben nur Hosen, oder?
    Wie immer bin ich gespannt. Happy sewing!
    LG Christiane

    • Manuela

      Mmh? Außer Hosen bleibt da wirklich nicht viel. Ich frage mich nur gerade, ob eine quer gestreifte Hose wirklich vorteilhafter ist… vielleicht Color Blocking oder doch ‘ne Tasche? Du siehst, ich habe es noch nicht zu Ende gedacht.
      Danke für Deine Hilfe. Liebe Grüße Manuela

  7. Ich habe auch letztens eine heiß geliebte Hose am Bund enger gemacht und es hat sich gelohnt! Zuerst hatte ich auch die quick-and-dirty-Lösung mit dem zusätzlichen Gummiband umgesetzt, aber das hatte dann nicht gereicht (Hose saß trotzdem auf der Hüfte) und hat mich nicht überzeugt. Würde ich dir also nicht raten.
    Bei deinen Fotos finde ich die Passform hinten sehr gut. Ich würde versuchen in den Seitennähten und vorderen Mitte etwas rauszunehmen, dort scheinst du relativ viel Weite übrig zu haben.
    Bei meiner Bundanpassung bin ich wie folgt vorgegangen: Bund abtrennen, in den Seitennähte und v.Mitte Mehrweite abstecken und wenns gut aussieht mit einem dunklen Faden und größer Stichlänge steppen. Natürlich nochmal anprobieren und dann richtig steppen. Auf die neue Weite dann den Bund anpassen und neu annähen. Es war erstaunlich schnell gemacht! Ich hoffe, ich habe dich ein wenig motiviert, die Hose sieht gut an dir aus und sollte unbedingt ein Lieblingsteil werden!

    • Manuela

      Ja, hast Du!
      Rückblickend hält sich der Aufwand eigentlich immer in Grenzen… aber davor fühlt es sich verdammt nach Arbeit und nicht nach Freizeit an.
      Herzlichen Dank & liebe Grüße
      Manuela

  8. Die zartlilafarbene Hose ist ein Traum und Du MUSST sie einfach ändern!
    Ich mache das auch nie gerne, bin da aber ziemlich streng mit mir und wenn ich das Teil gerne haben möchte, klappt das in der Regel auch.
    Den gekräuselten Rock finde ich sehr chic an Dir – trägst Du Strumpfhosen?? Dann könntest Du auch mit der Farbe ein wenig experimentieren. … türkis? … Setzt natürlich voraus, dass der Rock gefüttert, oder ein Unterrock vorhanden ist. Die Schuhe dazu sind toll!
    Mit dem Upcycling Buch könnte ich Dir aushelfen, wir könnten uns vielleicht mal wieder auf einen kleinen Kaffee treffen – statt Stammtisch.
    LG
    Birgit

    • Manuela

      Ja, gern! Vielen, lieben Dank für das Angebot.
      Das sollten wir wirklich mal wieder machen bevor im Herbst ggf. die nächste Welle kommt.
      Herzliche Grüße Manuela

  9. Wenn dir die kurze Hose gefällt ist es vielleicht eine Idee der langen Hose die Beine abzuschneiden? Ansonsten mache ich aus solchen Projekten gerne Taschen. Zumindest bei dem Rock bietet sich das vielleicht an. Am spannendsten fände ich ein Herrenhemdupcycling, habe aber keine Erfahrungen dazu.
    Liebe Grüße
    Katharina

    • Manuela

      Daran hatte ich, ehrlich gesagt, auch schon gedacht, die Hose einfach abzuschneiden. Damit würde ich am schnellsten zu einem (für mich) tragbaren Ergebnis kommen, andererseits tut es mir leid um den Schwung…
      Dank Dir Katharina & liebe Grüße
      Manuela

  10. Ich würde die Herrenhemden upcyclen. Ich habe mal aus einem Herrenhemd ein Babykleid genäht. Aber es finden sich sicher auch Tops oder Blusenshirts, die du für dich daraus nähen kannst. Probier doch einfach mal mit ein paar Schnitteilen herum und versuch etwas zu puzzlen. Man findet recht schnell heraus, welcher Schnitt besonders wenig Stoffverbrauch hat 😉
    Bin gespannt auf deine Wahl. Die Marlenehose mag ich auch, habe aber leider keine Ideen dazu.
    Liebe Grüße
    Jenny

    • Manuela

      Ich finde das gar nicht so einfach: Momentan bin ich eher überrascht, wie wenig man aus einem Herrenhemd bekommt bzw. das Blusenshirts und Tops doch mehr Stoff verbrauchen, als ich gedacht hätte. Kinderbekleidung ist auch eine gute Idee, darauf bin ich noch gar nicht gekommen…
      Herzlichen Dank & liebe Grüße,
      Manuela

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