Renfrew-Upcycling-Hack und Hanna Bralette aus der Serie Alt & Neu / Mix & Match

Einer der schönsten Momente im April: Der Magnolienbaum, an dem ich morgens auf dem Weg zur Arbeit vorbeilaufe, blüht. Das tut er gewöhnlich zwei Wochen lang, bevor sich ein zartrosa Blütenmeer auf den grauen Asphalt ergießt. Zwei weitere Wochen und die Stadt ist grün. Ich liebe Magnolien, ihre Opulenz – für mich ein Sinnbild für Großzügigkeit und Lebensfreude. Dieses Jahr ist der Baum spät dran, aber dieses Jahr ist ohnehin vieles anders…

Doch zum Thema: Idee war es, für meine blaue Matrosenhose Grasser Nr. 328 Kombinationen zu finden, die das maritime Thema aufgreifen, ohne allzu inflationär zu sein. Obendrein mag ich nicht rumlaufen, als ob ich auf dem Weg zu einer Kostümparty sei. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank für Eure Tipps. Ein paar konnte ich umsetzen. Gern hätte ich etwas mit Blüten gemacht, habe sogar den passenden Stoff gefunden und angefangen – bin aber nicht fertig geworden, sodass es vielleicht eine Fortsetzung gibt…

Renfrew-Upcycling-Hack

Neben Floralem kam auch der Vorschlag, die dunkelblaue Hose mit brauner oder beiger Oberbekleidung zu kombinieren. Die Kombination Mokka-Marine mag ich im Winter gern, in den wärmeren Jahreszeiten ist sie mir zu düster, ich habe dann das Bedürfnis, meine Farbpalette aufzuhellen. Beige-Marine ist zweifelsohne klassisch-elegant, nur lässt mich Beige ohne ein paar Kunstgriffe aussehen, als ob ich den Winter mit ach und krach überlebt hätte.

Nun hatte H. aber gerade ein paar Sachen für die Altkleidersammlung aussortiert, darunter auch einen braunen und beigen Pullover. Beide kaum bis gar nicht getragen: Der eine zu klein gekauft bzw. fiel seine Größe kleiner aus. Darauf zu hoffen, dass sich der Körper der Bekleidung anpasst, ist nicht gut fürs Selbstbild, mal abgesehen davon, dass es genau andersherum sein sollte, sprich: Bekleidung sollte dem Körper angepasst werden. Der andere Pulli war durchgefallen, weil H. Beige noch weniger steht als mir. Es gab also nichts zu verlieren, im Gegenteil, ich finde es ausgesprochen schwer, schöne Strickstoffe zu kaufen. Kurzerhand habe ich daher die Pullis aus dem Altkleidersack gefischt und in ihre Einzelteile zerlegt. Einfach nur Kürzen wäre keine Option gewesen, da sie mir zu groß waren, im selben Moment aber zu klein, um als lässiges Oversize durchzugehen.

Spaßeshalber habe ich ein paar Schnittmuster auf die Einzelteile gelegt und am Ende eine Überraschung erlebt. Was ich hier obenrum trage, ist das Renfrew Shirt von Sewaholic, einen Schnitt, den ich vor Jahren schon mal genäht habe und an mir nicht mochte (unverbloggt). H. meinte damals etwas uncharmant, aber leider zutreffend: „Obenrum nackig, unten sackig.“ Hier nun derselbe Schnitt in Strickstoff (einmal 100% BW, die beige Version ist ein Woll-Poly-Gemisch), um einiges kürzer als das Original und eine Größe kleiner (Gr. 8) als Maßtabelle.

Bei der beigen Variante habe ich den Ausschnitt um einen Zentimeter verkleinert, bei der braunen hat es nur für ¾ Ärmel gereicht. Außerdem habe ich dem braunen Pulli Ärmelschoner verpasst. Das maritime Thema taucht nur mehr im Ausschnitt auf (ein s/w Jacquard aus der Restekiste). Beim Ausschnitt habe ich mir übrigens die Zähne ausgebissen. Wenn letzte Woche nicht Fashion Revolution Week gewesen wäre, hätte ich die Pullis aus Wut in die Tonne geworfen. Erst wollten die Streifen nicht aufeinandertreffen (tun sie bei dem braunen auch jetzt nicht exakt), dann stand das Bündchen ab. Am Schluss ist es halbwegs hingekommen – ich bin zufrieden, habe gestern von einer Kollegin ein schönes Kompliment bekommen, die blau-beige Kombination erinnere sie an die Côte d’Azur. Et voilá.

Hanna Bralette

Auch Eure Idee, Maritimes mit Spitze zu kombinieren, hat mir gefallen, werden doch die Meere nicht nur von Matrosen, sondern auch von Piraten befahren, was für mich nicht nur Totenköpfe, Augenklappen und Holzbeine bedeutet, sondern auch Spitze und Rüschen. Am Ende hat es leider nur für Untendrunter gereicht.

Schon länger wollte ich eine Bralette, schon länger liegt hier der Schnitt für Hanna von Studio Costura herum. Da ein BH-Schnitt selten beim ersten Anlauf gelingt und anpassungsintensiv ist, nähe ich lieber Vertrautes und schiebe neue Schnitte vor mir her. So auch hier. Laut Maßtabelle habe ich Gr. S, das Ergebnis war aber viel zu klein, weshalb ich, um wenigstens die Gummis, Ringe und den Verschluss nochmals verwenden zu können, alles wieder aufgetrennt habe. Ich sag’s Euch. Eine Übung in Demut! Dafür passte Gr. M dann auf Anhieb; vielleicht würde ich beim nächsten Mal die Körbchen an den Seiten noch einen Tick erhöhen. Das ist aber weniger eine Frage der Passform, als eine der Proportionen, da ich für den Verschluss das rückwärtige Band verbreitern musste. Die rosé farbige Spitze, der wollweiße Jersey und die Gummis stammen aus verschiedenen Bra Kits von Studio Costura und einer nicht ganz freiwilligen Großbestellung bei Wien2002 (die Mindestmengen sind hier recht groß).

Für Hanna gibt es eine bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung sowie Hilfestellungen, wie man den Schnitt für sich anpasst. Daher würde ich ihn als anfängerfreundlich bezeichnen. Nur bei der Größenfindung habe ich mich schwer getan, wie so oft bei Schnitten für elastische Materialien, die passformsensibel sind. Überraschenderweise gibt die Bralette mehr Support als ich erwartet hätte, auch wenn ich nicht damit Joggen gehen würde.

Ja, es wird mindestens noch eine Hanna geben… Auf dem Blog von Studio Costura wird zudem ein Patternhack beschrieben, wie man aus der Bralette ein Bikinioberteil macht, und das könnte ich mir tatsächlich mit blau-weißen Streifen vorstellen.

Euch eine schöne Woche.

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9 Kommentare

  1. Diese Magnolie ist wirklich wunderschön. Bei uns schaut die von der Nachbarin über den Zaun, und zum Glück hat ihr der Frost nicht allzu übel mitgespielt. Ich fand die grauen Winter in Berlin immer ganz besonders unerträglich, und der größte Vorteil vom Leben auf dem Land ist für mich, dass man der Natur beim langsamen Erwachen zusehen kann.
    Deine beiden Pullis sind sehr gelungen geupcycelt – upgecycled ?, wie auch immmer! Der gestreifte Halsabschluss gibt dem Ganzen eine schön sportliche Note und in der Größe, die Du genäht hast, ist keine Spur von nackten Säcken mehr zu finden.
    Deine Bralette ist entzückend, jetzt fehlt nur noch eine durchsichtige weiße Bluse für drüber, dann ist der Piraten-Look perfekt. Ich finde die Bikini-Variation auch sehr schön, den kann ich mir sehr gut mit Streifen vorstellen. Gut, dass Du den Schnitt zeigst, denn mir fehlt genau dieser Schnitt für einen Bikini. den suche ich schon eine ganze Weile.
    In den letzten Wochen habe ich jede freie Minute auf dem Acker verbracht, aber für Mix- und -Match habe ich zwei Blusen zugeschnitten und sogar schon die Abnäher von einer genäht. Wenn es am Wochenende den versprochenen Regen gibt kann ich endlich nähen und dann verlinke ich mich nochmal bei Dir. 🙂

    • Liebe Grüße, Stefanie

      • Manuela

        Im Großen und Ganzen bin ich nicht sonderlich wetterfühlig. Dieses Jahr ist mir der Winter aber auch etwas aufs Gemüt geschlagen, was weniger am grauen Himmel als am fehlenden großstädischen Amusement (Theater, Kino, Museen, Restaurants…) lag. Ohne all das taucht schon hin und wieder die Frage auf, ob man nicht aufs Land mit Haus und Garten ziehen sollte…
        Ich bin gespannt, welche Blusenschnitte Du ausgewählt hast?!? Füge gern einen Link in die Kommentare ein, wenn Du soweit bist. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemand mal ein verregnetes Wochenende wünsche.
        Dank Dir & liebe Grüße Manuela

        P.S. Fall es der Garten erlaubt, würde ich mich freuen, wenn Du bei Gelegenheit über Deinen Sport-BH bloggst. Da bin ich noch auf der Suche.

  2. Wie schön, dass du die aussortierten Pullis noch erfolgreich verwerten konntest.
    Du hast dir viel Arbeit mit der Umarbeitung und den Details gemacht, aber es hat sich gelohnt.
    Schlicht und schön sind beide Pullis und durch die kleinen Details auch besonders.
    Und deine Unterwäschenäherei bewundere ich sowieso.
    Herzliche Grüße von Susanne

    • Manuela

      Herzlichen Dank Susanne.
      Die schönsten Pullis sind für mich immer noch selbst gestrickt. Ich träume ja von so wolkigen Kleinoden, wie Du sie fabrizierst.
      Liebe Grüße Manuela

  3. cooles upcycling der pullover!
    sehen aus wie teuer in der hippen boutique gekauft.
    tip (falls du es so nicht machst): ich nähe erst das neue halsbündchen/beleg/etc. an – ausschnittform mit kreide anzeichnen – und schneide dann erst den überschüssigen wollstoff weg – so gerät das material nicht aus der form.
    das BHchen ist sehr hübsch geworden!! wir haben ein ähnliches beuteschema was material und farben bei undies betrifft 😀
    herrliche magnolie – haben so ein prachtexemplar im ort – gleich mal knipsen gegangen – danke für die inspiration!
    xxxxx

    • Manuela

      Dankeschön & gern geschehen.
      Da ich ja offiziell im Hipsterland wohne, kann meine Garderobe ein paar hippe Kleidungsstücke gut und gerne vertragen…
      Dank Dir auch für den Tipp. Das probiere ich beim nächsten Mal aus. Hier hatte ich den Ausschnitt mir Formband stabilisiert, sonst hätte er das mehrfache Abtrennen nicht überlebt. Deine Lösung scheint mir aber eleganter.
      Liebe Grüße
      Manuela

  4. Toll, dass du dir was neues aus den aussortierten Pullis nähen konntest. Ich finde die Pullis richtig schön und sie passen super zu der Hose. Die Streifenbündchen lassen die gedeckten Farben auch etwas in den Hintergrund treten finde ich.
    Die Bralette ist sehr hübsch, die Farbe ist so schön zart und frühlingshaft und der Schnitt gefällt mir
    Liebe Grüße
    Katharina

    • Manuela

      Du schwörst ja auf das Renfrew seit Jahren und ich mag den Schnitt so gern an Dir, dass ich ihm nochmals eine Chance geben wollte. Und dieses Mal hat es ganz gut funktioniert.
      Dank Dir für Deine lieben Worte. Herzliche Grüße Manuela

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