Der MeMadeMay, #ootd und ein Filmtipp

Heute ist der erste Mittwoch des Monats und damit wieder MeMadeMittwoch. Zugleich ist diesen Monat MeMadeMay, in dem es um das Tragen all unserer selbst gemachten Teile geht. Aus diesem Anlass gibt es heute nur Sachen zu sehen, die es schon länger in meinem Schrank gibt bzw. die den Sprung vom virtuellen Laufsteg in meinen Alltag geschafft haben. Zugegeben, ganz konnte ich mich dem Reiz des Neuen nicht entziehen… Doch von vorn, hier das #ootd von gestern.

Da sich der Frühling dieses Jahr stürmisch und kühl gestaltet, hat mein Übergangsmantel seinen großen Auftritt. #107 Burda 10/2018 habe ich im Rahmen des NWSA 2018 genäht. Für knackigen Frost eignet sich der Mantel nicht – zu dünn – bei der momentanen Wetterlage habe ich ihn fast täglich an. Darunter trage ich meine Matrosenhose Grasser Nr. 328 mit einem Renfrew von Sewaholic – aus einem Pulli von H. genäht. Und das merkwürdige Ding um meinen Hals, ist nicht einfach ein Tuch, sondern dem Jabot von Martin Margiela (SS 89) nachempfunden.

Margiela ist in der Mode das, was Thomas Pynchon in der Literatur und Banksy in der Kunst ist. Ein Phantom. Die Presse kennt sein Gesicht nicht. Daneben ist er so etwas wie der Konzeptualist unter den Modedesignern, zum einen weil er den Prozess des Kleidermachen offenlegt, sei es dass er Nähte, Schulterpolster und Futter nach außen wendet, zum anderen weil er die Mechanismen der Modeindustrie aufdeckt, z. B. wenn er seine Entwürfe mit einem “Nicht-Logo” (vier Stiche von außen) etikettiert. Außerdem streicht Margiela gern alle Gegenstände weiß und hat schon in den 90er Jahren Haute Couture aus Second Hand Klamotten gemacht. Vielleicht weniger augenscheinlich ist, dass er seine Designs nicht selten aus historischen Bekleidungsformen entwickelt.

So auch das Jabot: ein Volant, dem man in früheren Jahrhunderten um den Hals trug – heute nur noch bei Amtsträgern zu sehen. Margielas Jabot erinnert eher an einen überdimensionierten Mund-Nasen-Schutz mit zwei Bindebändern. Man kann es als Halstuch, Armband oder Bustier tragen. Meine Version ist aus einer Bluse genäht, eines der letzten von mir gekauften Kleidungsstücke; das muss also vor 2015 gewesen sein… Ich hatte mich in den Viskosedruck verliebt, die Bluse wegen der schlechten Passform aber nie getragen. Als Accessoire könnte sie dagegen zum Liebling werden.

Letzten Herbst ist Martin Margiela – Mythos der Mode (Trailer) in den Kinos angelaufen. Wegen des Lockdowns war der Film nur ein paar Tage zu sehen. Anja (Nordendnaht) hatte mich freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht. Inzwischen kann man den wunderbaren Film auch streamen, falls jemand noch nach einem Abendprogramm sucht.

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16 Kommentare

  1. Ich mag deine kleinen Einblicke in die Welt der Modedesigner immer sehr! Und dieses Dings ein nettes Accessoires, das sich bestimmt gut als Gesprächsthema eignet. Ich hätte auf Augenbinde getippt 😉
    Liebe Grüße
    Christiane

    • Manuela

      Das freut mich zu hören!
      Ich scheine wohl Pandemie-geschädigt und sehe überall nur noch Masken.
      Das Ding sieht tätsächlich eher wie eine überdimensionierte Augenbinde aus.
      Dank Dir & liebe Grüße
      Manuela

  2. Ich überlege schon seit sechs Wochen (solange ist ja schon Frühling), ob ich nicht einen solchen Mantel brauche, wie Du ihn heute trägst. Er gefällt mir sehr und passt von Schnitt und Farbe bestimmt zu vielen Outfits. Interessant fand ich heute wieder Deine Modegeschichte. Ehrlich gesagt habe ich noch nie etwas von diesem Designer gehört . Du hast mich aber neugierig gemacht.
    Danke für die Anregungen und liebe Grüße von Ina

    • Manuela

      Gern & dankeschön!
      Ja, so eine Nicht-Farbe lässt sich tatsäch gut kombinieren.
      Der Schnitt ist sehr schön, es gibt auch eine Jackenversion davon. Man darf nur keinen Wintermantel erwarten, da sich die Vorderteile bspw. nicht besonders weit überlappen.
      Liebe Grüße Manuela

  3. margiela war unser gott, als ich ´91 anfing modedesign zu studieren……. und ich verehre ihn immer noch.
    und dein lässiger anzug aus klassischen elemten dürfte ganz in seinem sinne sein!
    den mantel hast du richtig schön gearbeitet!!

    so ein jabot könnt ich mir direkt nochmal basteln – ich brauch auch im sommer fast immer was um´ hals und tücher sind dann manchmal zu wurschtelig……

    grüsse nach hipsterland! xxxxx

    (hier meine “antwerpner röcke”: http://bahnwaerterhaeuschen.blogspot.com/2019/11/hosenrocke-inspiration-threadbare-30s.html)

    • Manuela

      Was für ein schönes Kompliment! Merci.
      Ich brauche auch oft etwas um den Hals, mehr denn je, seit es durch die ständig geöffneten Fenster gefühlt immer und überall zieht…
      “Antwerpner Röcke”? Da schau ich gleich mal vorbei. Ich mag belgische Sachen, angefangen von belgischen Waffeln, über belgische Comics wie “Tim und Struppi”, belgischen Jugendstil à la Victor Horta oder belgische Kunst von R. Magritte und M. Broodthaers bis hin natürlich zur Mode der Antwerp Six. Ich mag den Humor, die Sachen kommen nicht so furchtbar bierernst rüber.
      Liebe Grüße Manuela

  4. Die ideale und schöne Kombi für dieses frostige Frühlingswetter. Und dein Margiela-Jabot ist eine interessante Ergänzung.
    Mir war bekannt, dass Margiela Teil der Modewlt ist, aber nicht in den Details, die du berichtest. Ich mag deine kleinen Exkurse in die Modewelt immer sehr und dein Filmtipp kommt mir gerade recht, merci.
    Herzliche Grüße von Susanne

    • Manuela

      Dank Dir Susanne für Deine lieben Worte.
      Zu der Stoffwahl für das Jabot hast Du mich übrigens inspiriert. Du hattest ja Blümchen als Kombipartner für die Hose vorgeschlagen. Es ist nur nicht rechtzeitig fertig geworden.
      Herzliche Grüße Manuela

  5. Das Tuch / Jabot ist ja der Hammer, da hat man nicht so viel Stoff um den Hals herum hängen, ich erinnere mich – wahrscheinlich war das Anfang der 90er, da hat man sich sehr kleine Halstücher (zu Blusen, Kostümen usw.) quasi als Kettenersatz umgebunden, sie wirkten wie das Jabot auf deinen Fotos. sehr interessant. Schön, dass dir der Film gefallen hat. Wenn es auch auf der großen Leinwand anders ist. Das kleine Kino, in dem der Film Ende Oktober noch kurz lief, hat letztens bekannt gegeben, dass es nicht mehr öffnen wird. Sehr traurig! LG Anja

    • Manuela

      Ja, ich fand den Film großartig! Weil nicht nur über ihn gesprochen wird, sondern Margiela selber in mehreren Passagen über seine Arbeiten spricht. Und weil der Film sein Spiel mit Anonymität respektiert. Nochmals vielen, lieben Dank!
      Das ist wirklich traurig mit dem kleinen Kino. Ich fürchte, hier wird auch Einiges verschwunden sein, zwei Buchhandlungen im Kiez sind schon weg…
      Liebe Grüße Manuela

  6. Sehr schöner Mantel und ein interssanter Look! Jabot ohne Rüschen ist wirklich etwas anders und spannend im Outift. LG Kuestensocke

    • Manuela

      Ich hätte es besser auschreiben sollen: NWSA 2018. Das meint Deinen Novemberwetter Sew Along! Ohne diesen würde es den Mantel vielleicht nicht geben…
      Danke & liebe Grüße
      Manuela

  7. Das ist wirklich ein wunderschöner Mantel, und wie gut, daß er sich im Alltag bewährt! Ich mag auch die Kombination der Hose mit dem Upcycling-Renfrew sehr gerne, sieht alles sehr alltgstauglich aus. Und Danke für Deinen Ausflug in die Modegeschichte- ich lese immer mit Spannung, was Du von den Designern berichtest und bewunde Dein Wissen.
    Liebe Grüße
    Barbara

    • Manuela

      Schön zu hören, dass meine kleinen Ausflüge auf Interesse stoßen.
      Dank Dir für die Blumen & herzliche Grüße
      Manuela

  8. Danke für den Margiela-Tipp! Vor Jahren gab es in München mal eine Margiela-Ausstellung im Haus der Kunst, die mir sehr gefallen hatte, weil ich erst da verstand, was Margiela eigentlich bezweckt. Die Berliner Stadtbibiothek hat den Film mehrfach auf DVD, im Moment überall ausgeliehen, aber vielleicht ist Bibliothek für andere auch ein Tipp, um den film zu finden.

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