Zur Abwechslung mal eine Jacke: Mona von Schnittchen

Näh-Mojo verlegt, Blogmüde…. Na, ja in letzter Zeit ermüdet mich eigentlich alles schnell. Mir fehlt die Resonanz und die Inspiration, kurzum das Gefühl, auch als Nähbloggerin noch Teil einer lebendigen Community zu sein, um die nächste Runde von „Alt & neu / mix & match“ auf den Weg zu bringen. So gern ich auch schreibe und blogge, für Alleingänge habe ich gerade nicht die Kraft. Vorläufige Diagnose: urlaubsreif…. [Tagebuchbloggen 12.05.2021]

Also waren wir ein paar Tage weg. Und was soll ich sagen, es hat verdammt gut getan! Scheinbar belastet mich unser aktuelles Leben, das wenig Abwechslung und Höhepunkte kennt, auf die Dauer doch mehr, als ich es im Alltag bemerkt habe. Das Wetter dieses Frühjahr hat sein Übriges getan. Schlecht fürs Gemüt, gut für die Natur. Viel habe ich im Mai also nicht genäht. Immerhin ist das verloren geglaubte Näh-Mojo wieder aufgetaucht…

Schnitt & Stoff

Genäht habe ich Mona von Schnittchen. Nicht zum ersten Mal. Ich mag diesen Jackenschnitt mit Schalkragen, der im entsprechenden Stoff, hier dunkelblaue Viskose mit hellblauen und -grauen Nadelstreifen, an einen Blazer erinnert. Natürlich einen “unstructured blazer”, insofern Mona weder über Schulterpolster noch im selben Maße an Einlagen verfügt, wie man sie beim klassischen Tailoring verwendet. Gefüttert ist die Jacke mit lagunenblauem Venezia. (Stichwort Urlaub). Der Futterschnitt ist im Schnitt enthalten. Leider habe ich damals von der Viskose nur die angegebene Stoffmenge gekauft (1,60 m), sodass ich beim Zuschneiden keine Rücksicht auf das Streifenmuster nehmen konnte. Manche interessieren sich ja für Bügel-Kurse, ich würde gern mal einen Kurs zum Zuschnitt machen…

Größe, Anpassungen & Passform

Genäht in Gr. 40. Vor einer Weile habe ich den Schnitt mithilfe der Schneiderin auf mich angepasst und ordentlich Weite aus den Schultern genommen. Das muss ich in letzter Zeit immer tun. Das Label scheint zwischenzeitlich seinen Grundschnitt modifiziert zu haben, die ersten Schnitte waren mir in den Schultern eher einen Tick zu eng gewesen.

Anleitung & Schwierigkeitsgrad

Auf der Website von Schnittchen gibt es eine bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung. Gefüttert wird industriell, sprich das Futter wird fast vollständig mit der Maschine eingenäht. Ich habe “geschummelt” und am oberen Ende des rückwärtigen Schlitzes anstaffiert. Ein anderer heikler Punkt könnte das Einschneiden der Ecken beim Schalkragen sein. Ansonsten ist die Jacke easy zu nähen.

Was gefällt, was nicht? Nochmals nähen? Weiterempfehlen?

Die Jacke ist bereits eine Wiederholungstat. Entgegen der (alten!) Stoffempfehlung würde ich den Schnitt allerdings nur aus leichten Stoffen nähen. Mein persönliches Highlight ist der Aufhänger: Nicht nur, dass ich überhaupt daran gedacht habe, sondern es ist ein Mini-Upcycling und ich finde die Platzierung des floralen Musters ziemlich gelungen. Einziger Wehrmutstropfen, falls das überhaupt einer ist. Was die Silhouette betrifft, gefällt mir momentan am besten eine knöchellange und -schmale Bundfaltenhose zu Mona. Und die einzige Hose in meinem Kleiderschrank, die da halbwegs herankommt, ist eine Jogginghose. Da muss ich wohl nochmals ran…

Der Vollständigkeit halber: Das Shirt ist Afra aus der Fibremood. Wie Kathrin (Holy Cows) kämpfe auch ich mit dem Beleg (der will partout nicht drinbleiben), weshalb ich gegenüber dem Schnitt gemischte Gefühle habe.

Verlinkt beim MMM.

← Vorheriger Beitrag

Nächster Beitrag →

18 Kommentare

  1. Es freut mich, dass Dein Näh-Mojo wieder zurückgekommen ist, meines ist auch wieder aufgetaucht und ich habe kurzerhand die Nähmaschine in den Urlaub mitgeschleppt.
    Deine Jacke finde ich sehr schön, ich mag diese klassischen feinen Streifen und kurze Oberteile sowieso. Wenn Du einen Kombipartner suchst wäre Burda 10-2018#102 vielleicht etwas für Dich, allerdings braucht man da einen fließenden Stoff, sonst trägt sie gerne auf.
    Bei herausklappenden Belegen hat Mema einen Trick: sie macht eine Art Mini-Tasche in den Beleg und näht dort einen Cent hinein, der den Beleg dann durch sein Gewicht drinnen hält. Kannst Du ja mal probieren.
    Liebe Grüße, Deine Stefanie

    • Manuela

      Ah spannend! Den Trick kannte ich nur bei widerspenstigen Wasserfallauschnitten, um die Drapierung innen und in Form zu halten…
      Oh wie schön! Urlaub mit der Nähmaschine. Das könnte ich mir auch mal vorstellen…
      Dank Dir & liebe Grüße Manuela

  2. Sabrina

    Das Schnittmusterlabel hat die Schultern verbreitert? Solche Aussagen lassen mich immer gleich aufmerken, da ich sehr kastige, breite Schultern habe. Ich werde mir gleich mal die Schnitte von denen anschauen 🙂 Danke für den Hinweis!
    Grüße Sabrina

  3. Bei einem Kurs über den richtigen Zuschnitt wäre ich sofort dabei; das Zuschneiden von Musterstoffen stresst mich immer.
    Dein Blazerjäckchen gefällt mir total gut und auch dein ausgeklügeltes Styling – zwei gestreifte Stoffe kombiniert, ohne, dass es aufdringlich wirkt, begeistert mich.
    Was du im Postauftakt beschreibst, beobachte ich bei mir selbst auch; Ein Ortswechsel kann da schon sehr hilfreich sein.
    Herzliche Grüße von Susanne

    • Manuela

      Dankeschön Susanne. Beruhigt mich zu hören, dass es nicht nur mir so geht…
      “Unaufdringlich” – damit kann ich mich sofort identifizieren. Mir gefällt es besser, wenn Dinge nicht so sehr nach “Achtung hier kommt Design!” aussehen.
      Liebe Grüße Manuela

  4. schaut sehr mediterran aus – deine kleine flucht 😀
    ich trau mich ja noch nirgendwo hin, solange wir nicht den 2. pieks haben…..

    das jäckchen ist sehr schön geworden – und es steht dir und deinem stil ausgezeichnet! die schnittanpassungen mit der schneiderin haben sich auf jeden fall gelohnt. liebe das himmelblaue venezia-futter!
    aber warum ein flacher u-boot-ausschnitt in jersey einen beleg braucht – der dann nur nervt – entzieht sich mir. die russischen marine-nickis, die ich gern trage, sind einfach einen cm umgelegt und zwillingsgesteppt…… sieht perfekt aus, obwohl der stoff sehr fest ist – oberstes bild: https://bahnwaerterhaeuschen.blogspot.com/2015/09/piratengeburtstag.html
    im selben post meine lösung mit einem “bündchen”….

    wenn die “ferienwohnung” fertig ist, kannste gern zum schnittlege-kurs vorbeikommen. ist ja auch sonst sehr schön hier ;-D
    xxxx

    • Manuela

      Herzlichen Dank für das Angebot! Das nehme ich bei Gelegenheit gern an.
      Ich hätte gar nicht so weit gemusst (ehrlich gesagt hätte schon eine Straße weiter einen Unterschied gemacht, einfach mal was anderes aus dem Fenster zu sehen…), aber die Übernachtungsverbote in den Bundesländern waren noch nicht aufgehoben. Inseln können wegen ihrer Lage das Infektionsgeschehen leichter kontrollieren. Insofern ist es dieses Mal ein anderes Mini-Gebirge geworden (Tramuntana). Ich drücke Dir fest die Daumen, dass Ihr Eure zweite Impfung bald erhaltet.
      Bei mir ist anderes herum: Einfach umklappen, gelingt mir bei einem festeren und dickeren Jersey besser. Wenn der Stoff wie dieser hier sehr fein ist, leiert mir beim Umnähen gern mal der Ausschnitt aus. Deshalb habe ich mich auf den Beleg (in einem T-Shirt!) überhaupt eingelassen. Aber im Grunde ist es in Jersey Quark…
      Liebe Grüße Manuela

  5. Gegen ein verlegtes Näh-Mojo, allgemeinde Erschöpfung und Urlaubsreife hilft doch am besten ein bewährter Schnitt, das hast Du wieder mal bewiesen! Ich kann Dich gut verstehen, dieses Stimmungstief habe ich auch, auch wenn ich es nicht mit irgendwelchen Einbußen oder Stressfaktoren begründen kann. Ich glaube, das ist wirklich diese Gleichförmigkeit, ohne Höhe- und Tiefpunkte, die so an unseren Nerven zerrt. Da kommt doch so ein Jäckchen genau recht, das himmelblaue Futter hebt mit Sicherheit die Stimmung. Und welch ein Luxus, daß der Schnitt professionell angepaßt ist. Das Ergebnis ist wunderschön, und wenn die passende Hose noch fehlt- nun, das wirst Du leicht ändern können!
    LG Barbara

    • Manuela

      Dank Dir Barbara für Deine lieben Worte!
      Diesen kleinen Luxus kann ich wirklich empfehlen, sich ab und an Unterstützung von einer Schneiderin bei der Anpassunge zu holen. Andere Leute bringen Kleidungsstücke hin, warum nicht einen Schnitt und/oder Probemodell zum Ändern hinbringen…
      Liebe Grüße Manuela

  6. Sehr schön, wie reflektiert du alles betrachten und angehen kannst… nicht das es viel ändert, aber es kann nur besser werden eigentlich… mit diesem wunderbar klassisch, sportlichen blazer in jedem Fall. Ich finde die Kombi mit jogginghose cool! Lg Sarah

    • Manuela

      Dankeschön Sarah!
      Ha, ha. Ich höre schon den Aufschrei in der MeMade-Gemeinde. Jogginghose & cool…
      Liebe Grüße Manuela

  7. Die Jogginghose sieht für mich nicht nach Jogginghose aus, vermutlich liegt das an der klassischen Farbe, ich wusste gar nicht, dass es Bügelkurse gibt, dachte, bessere Ergebnisse erzielt man einfach mit besserem Equipment (Bügelei usw.), ich denke, du kannst schon zuschneiden, es braucht einfach Sorgfalt, Konzentration, ein wenig Berechnung, gerade bei Streifen in festem Stoff, aber eigentlich siehst sowieso nur du das, was nicht passt, insofern kann man da entspannen. Ferien, was war das nochmal? Tatsächlich habe ich meinen Mann vor 2 Wochen alleine an die Mosel geschickt, weil mir die Rahmenbedingungen hier in Deutschland echt zu kompliziert waren, kann nur sagen, jeder der vernünftig ist, fliegt lieber irgendwohin, ich vermisse es nicht so, weil wir am Wochenende sehr viel machen.

    • Manuela

      Ach wie charmant Anja!
      Reine Bügelkurse wüsste ich auch nicht, allerdings legt Inge Szoltysik-Sparrer in ihren Videokursen SEHR viel Wert aufs Bügeln. Ich fand die Ärmeldressur bei meinem Wintermantel ganz spannend, muss das aber nicht unendlich vertiefen. Das Ärmelbrett und Tailor Board, das mir H. gebaut hat, möchte ich allerdings nicht mehr missen. Da bin ich ganz bei Dir, das Equipment machts!
      Zuschneiden würde mich tatsächlich näher interessieren von verschiedenen Musterstoffen, Bias Cut usw. – welchen Einfluss das auf den Look und den Fall eines Kleidungsstückes hat. Ziemlich nerdig, ich weiß.
      Dank Dir & liebe Grüße Manuela

  8. Schön dass der Urlaub geholfen hat und dein Mojo zurück ist! Ich habe immer noch den Plan wieder in die Blog Gemeinschaft zurückzukehren, irgendwann, wenn mal wieder weniger los ist. Schön, dass du verlässlich weiter blogst, ich lese nach wie vor gerne mit.
    Die Jacke finde ich sehr gelungen und für mich geht das als Blazer durch . Toll auch, dass du direkt eine Garderobenlücke gefunden hast
    Liebe Grüße
    Katharina

    • Manuela

      Freut mich sehr zu hören, Katharina. Sowohl, dass Du hier gern liest, als dass Du den Plan hast, irgendwann zurückzukehren. Ich vermisse Dein Blog und Dich nämlich!
      Herzlichen Dank & liebe Grüße
      Manuela

  9. Sehr lässig und überaus gut gelungen, deine Jacke 🙂 Dann steht also als nächstes eine schmale Hose auf dem Programm? Deine Gedanken zum fehlenden Nähmojo und der andauernden Müdigkeit teile ich leider, bei mir ist es noch nicht zurückgekommen. Bis ich mich wieder aufraffen kann, lese ich einfach hier mit 🙂
    Liebe Grüße
    Jenny

    • Manuela

      Dankeschön Jenny. Auch oder gerade fürs Vorbeischauen, auch wenn hier im Moment nicht viel los ist…
      Ich bin ganz zuversichtlich, dass Dein Nähmojo irgendwann wieder auftaucht. Spätestens, wenn Du wirklich etwas brauchst; zumindest fällt es mir schwer mir vorzustellen, dass wenn man sich einmal an maßgeschneiderte Sachen gewöhnt hat zu denen von der Stange zurückkehrt…
      Herzliche Grüße Manuela

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.