L’Irrésistible von ODV La Jolie Girafe (Fails! 3.2)

Selten war ein Votum so eindeutig. Fast einstimmig habt Ihr Euch für den Blusenschnitt L’Irrésistible von ODV La Jolie Girafe entschieden. Sicherlich der spannendste, aber auch der schwerste Schnitt von den drei vorgeschlagenen. Leider muss ich dieses Mal passen. Aber von vorn…

Schnitt

Angetan hatte es mir bei L’Irrésistible die Empire-Linie, die unter der Brust aufspringenden Falten und der Schalkragen.

Größe, Passform & Anpassungen

Genäht in Gr. M laut Maßtabelle. Bei meiner ersten Version vor drei, vier Jahren hatte ich die Bluse bereits verlängert, da die Schnitte von ODV für eine Größe von 1,64 m ausgelegt sind und ich fast 10 cm größer bin; Verlängerungslinien sind im Schnitt enthalten. Vor allem um die Brust saß die Bluse nicht, die Falten sprangen sehr unvorteilhaft auf – nicht unter, sondern auf der Brust. Für mich eines der größten Aha-Erlebnisse, seitdem ich nähe: Wenn ein Oberteil an dieser Stelle zu klein ist, fehlt es nicht nur an Weite, sondern auch an Länge, weil der Stoff eine größere Strecke vom Hals bis zur Taille zurücklegen muss. Ich habe die Bluse nie getragen, sie verschwand recht schnell in der Kiste auf dem Dachboden.

Für Fails! bin ich mit dem Schnitt zur Schneiderin, aus aktuellem Anlass nur per Videochat. Sie meinte, wenn wir schon mal dabei sind, können wir auch noch das Andere mitmachen. Sprich neben der FBA, die Ärmel und Schultern verschmälern sowie eine Hohlkreuzkorrektur.

Also haben wir den Schnitt entsprechend angepasst. Zu unserem nächsten Termin habe ich ein Probemodell aus alter Bettwäsche genäht. Um die Brust saß es super. Umso mehr fielen nun die (immer noch) zu weiten Schultern ins Auge; auch unter den Armen war zu viel Weite. Die Schneiderin meinte noch: “Warum packt jemand in den Schulterbereich derart viel Weite?!” Das würde bei überschnittenen Schultern Sinn machen, wie diese Art von Blusenschnitt mit Vintage-Vibe übrigens oft hätte. Also nochmals ordentlich Weite beim Probemodell raus. Das Ergebnis sah vielversprechend aus; für die Anprobe hatte ich die linke Seitennaht nur gesteckt. Ein paar Tage später habe ich aus einer Laune heraus die Naht geschlossen und den seitlichen Reißverschluss eingeheftet mit dem Ergebnis: Ich bekam das Ganze nicht mehr über Schultern und Kopf. Dafür hat es also die Weite gebraucht!

Was gefällt, was nicht? Nochmals nähen? Weiterempfehlen?

An diesem Punkt hat mich die Motivation verlassen. Sicherlich könnte man z. B. den Reißverschluss in die hintere Mitte verlegen und so das An- und Ausziehen erleichtern, den Ausschnitt ein Stück knöpfen oder die Ärmel gegen angeschnittene austauschen… und, und, und. Aber ich habe keine Lust mehr, weiter Zeit und Geld in den Schnitt investieren. In den schon investierten Stunden hätte ich mir mindestens ein neues Kleid nähen können. Ohnehin begeistert mich der Schnitt nicht mehr so wie zum Zeitpunkt des Kaufes: allein acht Schnittteile für die Taille, an der hinteren Mitte ist der Schalkragen noch eingekräuselt… Das ist mir inzwischen zu viel Chichi.

Einmal mehr frage ich mich: Wie viele Probemodelle (für mich) akzeptabel sind und wo Schnittanpassung an seine Grenzen stößt? Für dieses Mal lasse ich es gut sein, einer alten indianischen Weisheit folgend:

“Wenn Du merkst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!”

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16 Kommentare

  1. Über die Zeit, die man in Probemodelle oder Schnittänderungen steckt, darf man nicht nachdenken; verschwendet ist sie sicher nicht, denn letztlich hast du eine Menge gelernt und das zählt auch. Und dass du jetzt die Lust verloren hast, kann ich gut verstehen, besonders, da der Schnitt dich gar nicht mehr so sehr begeistert.
    Herzliche Grüße von Susanne

    • Manuela

      Das stimmt, auch ich lerne aus Fehlern und Schwierigkeiten mehr, als wenn alles auf Anhieb läuft.
      Danke für Deine lieben und tröstenden Worte.
      Herzliche Grüße, Manuela

  2. Ärgerlich, dennoch nicht umsonst, denn die eine oder andere Erkenntnis nimmt man ja immer mit.
    Mein kluger Spruch lautet bei so einer Gelegenheit immer:” Wenn der Schuh drückt, befreie dich vom Schuh, nicht vom Weg.”
    In diesem Sinne auf zu neuen Taten und Danke, daß Du dein Fail mit uns teilst.
    LG
    Susan

    • Manuela

      Der ist auch hübsch! Den Spruch kannte ich noch gar nicht.
      Freut mich immer zu hören, wenn jemand auch über die großen und kleinen Nähpannen gern liest.
      Herzlichen Dank & liebe Grüße
      Manuela

  3. Das kann ich mal sehr gut nachvollziehen! Anfang des Jahres habe ich über Wochen so viele Stunden Arbeit in einen Mantel gesteckt, der dann bei der finalen Anprobe zu klein war und nicht mehr zuging. War leider nichts mehr zu machen. Ich hatte zuvor so viel Motivation gebraucht, um überhaupt mit dem Nähen anzufangen und dann auch so lange dranzubleiben. Ich ärger mich immer noch, dass ich ihn nicht viel früher in die Ecke geschmissen habe, sondern stattdessen noch Geld für ein Futter ausgegeben habe.

    Es gibt einfach so Projekte, da lohnt sich die Mühe nicht. Ich denke, du solltest stolz auf dich sein, dass du an der Bluse so lange festgehalten hast. Nicht jeder ist so hartnäckig und du nimmst sicher was draus mit, auch wenn sie nicht fertig geworden ist 🙂

    Liebe Grüße!
    Jenny

    • Manuela

      Oh! Bei einem Großprojekt wie einen Mantel hätte ich mich auch viel schwerer getan loszulassen. Da steckt ja noch wesentlich mehr Zeit und Geld drin.
      Dank Dir & liebe Grüße,
      Manuela

  4. Es tut mir leid um deine enttäuschung und verlorene zeit.
    Wobei die zeit ist nicht ganz verloren. Du hast einige zusammenhänge vertanden und gelernt- das ist doch schon mal was.
    ich kann dir für die zukunft einen tipp geben. bevor du dich für ein schnitt entscheidest, schau schon fertige versionen von diesem modell genau an.
    alle diese erwähnte fehler sind auch bei den anderen zu sehen.
    meine persönliche meinung zu der designerin( die “kenne” ich schon länger),die hat nicht wirklich ahnung von grundliegenden dingen, denn ihre modelle sind nach wie vor fehlerbehaftet (konstruktionsbedingt) und sie hat in all den jahren nicht mal was dazu gelernt.

    • Manuela

      Danke für die tröstenden Worte und den Tipp.
      Das beherzige ich inzwischen auch; zu meiner Verteidigung: Der Kauf liegt mehrere Jahre zurück; ich habe den Schnitt nur für meine Fails!-Reihe wieder hervorgeholt. Heute würde mir eher auffallen, dass der Schnitt keiner Frau sonderlich gut passt, um es mal vorsichtig zu formulieren.
      Liebe Grüße Manuela

  5. Sehr interessant, deine Beschreibung, genau wie meine Vorschreiberinnen bin ich der Meinung, dass du viel gelernt hast, dennoch ist es frustrierend so zu lernen, schöner wäre ein tolles überzeugendes Ergebnis nach der ganzen investierten Arbeit. Ich bin nach wie vor entsetzt, wieviele Schnitte es im Internet zu kaufen gibt, die nicht passen (von den ganzen Jerseyschnitten mal abgesehen, die passen ja jedem irgendwie), ich glaube wirklich, dass du mal einen Basisschnittkonstruktionskurs machen solltest (besser als mit einem Buch), dann kannst du dir nach deinen Bedürfnissen den Grundschnitt abwandeln, allerdings ist dieses konkrete Blüschen vermutlich auch zeitintensiv zu konstruieren, aber zumindest wüsstest du genau, was du tun musst, damit eshinterher auch passt. LG Anja

    • Manuela

      Da hast Du vermutlich recht. In meiner Class Library bei Craftsy habe ich sogar zwei Kurse von Suzy Furrer, die ich vor Ewigkeiten gekauft habe. Die sollte ich mir mal bei Gelegenheit zu Gemüte führen…
      Danke fürs Erinnern. Liebe Grüße Manuela

  6. Wie schade um die Zeit! Der Schnitt sieht auf den ersten Blick wirklich sehr schön aus, aber das nützt ja nichts, wenn die Bluse nicht passt. Leider ist man ja in der Regel erst hinterher schlauer und jeder Körper ist anders. Trotzdem wundere ich mich immer mal wieder, was einige Designerinnen so für Schnitte konstruieren (lassen). Du wirst sicher noch viele tolle und gut sitzende Blusen nähen.

    LG Carola

    • Manuela

      Vielen, lieben Dank Carola.
      Dir noch ein schönes Wochenende & liebe Grüße
      Manuela

  7. Liebe Manuela,
    das tut mir total leid! Die Frustration kann ich völlig nachfühlen. Auf jeden Fall ist es jetzt ein abgeschlossenes Projekt, bei dem eindeutig ist, dass es nicht mehr als UFO irgendwie an einem nagt.
    Mir fiele als Rettungsversuch nur ein, die Seitennaht komplett als Reißverschluß zu machen, den man von oben (Achsel) nach unten (Saum) schließt. Damit kommt man in die meisten Sachen rein und raus.
    Ganz liebe Grüße Katja

    • Manuela

      Das würde vermutlich funktionieren, wäre allerdings nicht meins.
      Herzlichen Dank fürs Mit-den-Kopf-zerbrechen und die lieben Worte.
      Liebe Grüße Manuela

  8. Deine Frustration verstehe ich. Und es ist auch gut eine Grenze ziehen zu können finde ich. Irgendwann ist man so frustriert dass man sich über das am Ende gelungene Kleidungsstück nicht mehr freuen kann. Andererseits finde ich deine ganze falls! Serie so gut, weil beim Nähen auch der Weg zählt, das Hobby ist ja sogar der Weg. Und nur aus Fehlern und Herausforderungen lernt man. Du hast sicher einiges aus dem Projekt mitgenommen. Allein die Erkenntnis zu haben, dass du nicht 10 Probemodelle machen willst ist viel Wert für die Zukunft.
    Liebe Grüße
    Katharina

    • Manuela

      Hey, schön von Dir zu hören! Ich hoffe, es hat bei Euch alles gut geklappt und die Nähmaschine ist wieder ausgepackt.
      Ja, ich denke, maximal zwei Probemodelle, ansonsten kommt man wirklich durch Schnittkonstruktion oder Pattern Hack schneller ans Ziel.
      Dank Dir & liebe Grüße,
      Manuela

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