Quo vadis?

Schon länger frage ich mich, ob es tatsächlich nur eine Frage des Mediums ist, dass Instagram die Blogs ersetzt hat, oder ob es am Nähen selbst liegt, dass das Nähbloggen, wie es Mitte der 2010er Jahre seinen Höhepunkt erlebte, passé ist. Bitte nicht falsch verstehen: Es wird wahrscheinlich immer Nähblogs geben und das für jeden Geschmack, aber im Sinne einer größeren Bewegung, die Solidarität über Altersgrenzen und soziale Unterschiede hinweg stiftete, scheint das Nähbloggen der Vergangenheit anzugehören (zumindest in der deutschsprachigen Szene; was übrigens nicht heißt, dass sich das nicht irgendwann auch wieder ändern kann).

Für diesen Niedergang mag es verschiedene Gründe geben: Als es mit dem Bloggen losging, atmete DIY noch den Geist von Punk und stellte eine widerständige Praxis gegen den Konsum dar, inzwischen ist DIY selbst eine durch und durch kommerzialisierte Sphäre. Insofern man Stoff, Zubehör, Schnitte, Anleitungen und handwerkliches Wissen überall kaufen kann, besteht weniger die Notwendigkeit sich auszutauschen. Umso mehr Leute sich für DIY begeistern, umso größer die Wahrscheinlichkeit, auf Gleichgesinnte in der unmittelbaren Nachbarschaft zu treffen, was das Nähbloggen entbehrlicher macht. Konnte die „egoistische Selbernäherin“ ihr Hobby noch vorbehaltlos als Empowerment begreifen, sich durch das Nähen der eigenen Kleidung vom Modediktat und von den Körpernormen der Bekleidungsindustrie unabhängig zu machen, kommt zum Stolz inzwischen die Scham dazu. Vor dem Hintergrund des Klimawandels ist das Verbloggen jedes neuen Kleidungsstückes nunmehr mit dem Schuldgefühl verbunden, dem gebeutelten Planeten noch ein Ding hinzugefügt zu haben. Aber vielleicht projiziere ich mein Empfinden auch nur auf Andere.

Was tun? Das Hobby wechseln: Gärtnern, Kochen & Backen… oder sich vollends aufs Upcycling zu verlagern, wie es, so mein Eindruck, immer mehr professionelle Designer*innen tun… Auch wenn ich dieses Jahr mehr wiederverwertet habe als die Jahre zuvor – ein Blog nur darüber – dafür bin ich nicht die Richtige. Hier allerdings ein Hemden-Upcycling, dass ich im Urlaub gern und viel getragen habe.

Stoff & Schnitt

Zwei Herrenhemden, die H. aussortiert hat, weil sie am Kragen und an den Manschetten verschlissen waren. Das ist übrigens der häufigste Grund, warum er sich von einem Hemd trennt, weshalb ich viele der im Netz kursierenden Upcycling-Ideen nicht umsetzen kann, insofern sie mit den typischen Elementen von Hemden spielen; idealerweise sollte das Hemd im Upcycling erkennbar bleiben. Eigentlich hatte ich nur 1,5 Hemden zur Verfügung (das eine zart gemustert, das andere uni), bei denen die Blautöne harmonierten; aus dem Einfarbigen hatte ich schon das Taschenfutter für eine Hose zugeschnitten…

Mich erstaunt immer wieder, wie wenig Stoff man aus einem Kleidungsstück bekommt. So wurde aus dem Hemd eine taillierte Bluse, wobei ich Modell l aus dem Buch Basic Black von Sato Watanabe verwendet habe. Die Knopfleisten waren noch brauchbar, sodass ich Vorder- und Rückenteil aus Hemd Nr. 1 zugeschnitten habe, wie auch den äußeren Steg des Kragens. Die gekräuselten Cap-Ärmel wie auch der innere Steg und die Rüsche am Kragen sind aus Hemd Nr. 2. Für die Rüsche an der Knopfleiste hat der Stoff von Hemd Nr. 2 schon nicht mehr gereicht, bereits beim Kragen musste ich daher an der hinteren Mitte stückeln.

Größe, Anpassungen & Passform

Genäht in Gr. L. Bluse verlängert sowie Brust- und Taillenabnäher nach unten korrigiert.

Anleitung & Schwierigkeitsgrad

Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit Zeichnungen. Top! Ich habe damals mit japanischen Nähbüchern angefangen zu nähen. Deshalb besitze ich auch eine ganze Reihe davon und entdecke sie im Moment für mich wieder.

Was gefällt, was nicht? Nochmals nähen? Weiterempfehlen?

Im Nachhinein hätte ich mir für Vorder- und Rückenteil eine Hemdenpopeline mit etwas mehr Stand gewünscht. Ansonsten bin ich happy mit der Bluse, besonders da ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen konnte: Einen neuen Schnitt testen und ein Upcycling. Vom Schnitt bin ich begeistert und werde sicherlich die eine oder andere Variante der Bluse aus dem Buch ebenfalls nähen.

Vielleicht noch erwähnenswert: Im Vergleich zu anderen japanischen Nähbüchern enthält Basic Black weniger Tuniken (wie bspw. die Bücher von Yoshiko Tsukiori) und ist auch nicht so experimentell (wie bspw. Natsuno Hiraiwa). Wie der Titel vermuten lässt, widmet sich Basic Black Essentials (leider keine Hosen), die man womöglich nicht sofort mit japanischer Mode assoziiert.

Euch ein schönes Wochenende. Bis bald.

← Vorheriger Beitrag

Nächster Beitrag →

26 Kommentare

  1. Es ist doch interessant wie unterschiedlich sich der ein oder andere Umstand, bei verschiedenen Leuten zeigt. Ich suche schon seit Jahren nach Gleichgesinnten im erweiterten Freundes- und Bekanntenkreis, mit denen man sich zu Nähthemen austauschen kann. Leider stellt sich das als sehr schwierig dar, entweder es werden mehrheitlich Kleinteile und Kindersachen genäht, also quasi “Maminähen” oder sie sind professionelle Schneider. Ich würde mich eher über einen Austausch zu Erwachsenenkleidung freuen, damit hat sich der Kontakt zu den Mamas bisher leider nicht so ergeben. Und bei zweitere Gruppe hatte ich zwar schon mal das große Glück, dass mir eine Bekannte beim Abstecken eines Abendkleids geholfen hat, aber für die ist es halt Arbeit und kein Hobby.
    Ich spiele schon lange mit dem Gedanken einen Blog zu schreiben, aber die Hürden sind leider halt doch nicht so gering. Instagram, Facebook, Whatsapp etc. will ich nicht nutzen. So habe ich jetzt noch die deutsche “Näh ich mir” Community ausprobiert. Leider geht es auch hier hauptsächlich, um Kinderkleidung aus dehnbaren Stoffen und Projekten bei denen wichtig ist, dass sie schnell gehen (mit vereinzelten Ausnahmen).
    Damit bin ich wieder am Anfang und überlege mit einem Blog…

    Abschließend kann ich nur sagen, ich freue mich über jede ernsthafte Nähbloggerin, die noch nicht aufgegeben hat. Danke!

    • Auch wenn es vielleicht nicht der günstigste Zeitpunkt ist, um einen Blog zu eröffnen, und es heute eine Vielzahl konkurrierender sozialer Medien gibt; ich möchte Dir Mut machen! Ich habe damals einige wirklich nette Leute über meinen Blog kennengelernt, selbst dort, wo sich hernach herausstellte, dass sie nur zwei Straßen weiter wohnt… Der Blog war die Eintrittskarte! Im Rückblick würde ich sagen, nicht nur das Nähen, sondern auch das Bloggen hat Gemeinschaft gestiftet, was ich persönlich daran festmache, dass sich liebgewonnene Kontakte ohne das gemeinsame Bloggen auch wieder verlieren…
      Für den Austausch über Erwachsenenkleidung finde ich den MeMadeMittwoch immer noch DIE Plattform, dort findet man z. T. echt anspruchsvolle Sachen…
      Wenn Du dann Deinen Blog hast, würde ich mich über einen Post über Deine Erfahrungen mit “Näh ich mir” freuen. Ich wusste gar nicht, dass darum eine Community entstanden ist!? Ich dachte, dass sei einfach eine App, um sein Stofflager, seine Nähprojekte o.ä. zu verwalten.
      Liebe Grüße Manuela

    • Ich will dich auch ermutigen, einen Blog zu beginnen. Ich finde nicht, dass es soviel Arbeit macht, auch wenn das viele immer schreiben. Ich finde, wenige aussagekräftige hinreichend beleuchtete Fotos (geht auch mit Selbstauslöser vom Handy), Schnittzeichnungen völlig ausreichend. Es muss kein supidupi Fotoshooting in irgendeiner supidupi Location sein, auch wenn diese Blogs natürlich “erfolgreicher” sind. Der Text muss aus meiner Sicht in einem private Blog auch nicht marketingmäßig aufbereitet sein, eher klar und beschreibend. Aber wie auch Barbara unten sagt und Manuela auch schreibt, auch wenn man nicht viele Follower hat, gibt es einen guten Austausch und es lassen sich auch Fragen klären und irgendwann wird es auch wieder persönliche Treffen in Köln, Hamburg, Augsburg usw. geben

  2. muss gestehen – ich war nie in der “nähblogger-community”…..
    manchmal habe ich die blogs gelesen, aber nie regelmässig.
    und wohl weil schnittmuster-, stoff- und zutatenquellen bei mir nicht auftauchen, ist mein blog (der vor allem kein reiner nähblog ist) für andere selbstnäherinnen uninteressant.
    vll. auch wegen dem fehlen von “fails” – bei “unfällen” gucken wir doch alle – wenigstens ein bisschen ;-D
    umweltbedenken habe ich bei meiner näherei nicht: die stoffe sind nun eh schon über 10 jahre in der welt, manche sind sogar vintage. es sind alles hochwertige materialien, sodass ich die kleidung daraus “ewig” tragen kann und werde – nicht zuletzt, weil ich “trends” geflissentlich ignoriere.
    und up-cycling/re-fashion liegt mir eh im blut.

    womit wir bei deiner hübschen bluse wären!!
    der man die alten männerhemden und materialknappheit gar nicht mehr ansieht! stattdessen irgendwie ein bisschen prada – oder?
    3-faches bravo, bravo bravo!
    die location ist aber auch nicht ohne……..
    der bahnwärter ist vor ein paar jahren aus ein paar seiner hemden rausgewachsen (ähem ;-D). mehr als sie einfach anzuziehen und bei den luftigeren exemplaren die ärmel rauszuschneiden (bei hitze brauch ich keine ärmel) ist mir dazu nicht eingefallen – aber die dinger passen mir halt auch einfach so – auf eine lässige, leicht oversized weise.
    und ich bin ja eh #lazyseamstress 😀

    falls ich mir überhaupt nochmal sowas wie´n schnitt kaufen sollte, dann wäre es wohl ein japanisches schnittbuch – diese designs sind in der mehrzahl sehr inspirierend!

    schönes wochende! xxxxx

    • Ach das freut mich zu hören, dass man der Bluse nicht auf den ersten Blick ansieht, woraus sie gemacht ist. Und Prada geht natürlich runter wie Öl… Dankeschön!
      Zumindest das mit den Schnittmustern könntest Du, wenn Du wolltest leicht ändern. Ich für meinen Teil würde gern mehr darüber erfahren, wie Du Deine Schnitte machst, kann aber auch verstehen, wenn das unter die Kategorie Betriebsgeheimnis fällt. Für die allermeisten innerhalb der Nähblogger-Community ist es ein Hobby, spontan fällt mir nur eine professionelle Schneiderin darunter ein…
      Ich lese sowohl Blogs, die Gemischtwarenläden sind, als auch solche, die sich einem Thema widmen, aber auch bei “reinen” Näh-, Koch-, Wander- oder Buchblogs muss die Persönlichkeit des Bloggers für mich spürbar bleiben, wenn es zu slick wird, verliere ich das Interesse…
      Liebe Grüße Manuela

      • @schnitt:
        ist irre aufwendig, eine schnitterstellung zu verbloggen. richtig arbeit sozusagen.
        das kann ich nicht für lau machen – sorry 😀
        wobei: einfache schnitte findet man im blog – zum bsp. unter “nicht jammern – selber nähen” in der linken sidebar……
        xx

        • Das hatte ich mir so ähnlich gedacht und kann es, wie gesagt, verstehen.
          Ha, ha “Nicht jammern – selber nähen” Cooler Titel! Da schau ich doch bei Gelegenheit mal vorbei.
          Dank Dir & herzliche Grüße
          M.

  3. Liebe Manuela,

    tolles Shirt und schönes Urlaubsfoto. Ich tippe auf Italien.

    Und ja, Du bringst es auf den Punkt. Es kann nicht sein, dass nur ich nicht mehr die Zeit aufbringe meine Nähprojekte zu dokumentieren. Im Moment nähe ich auch viel weniger oder wenn ich die Zeit aufbringe, dann ganz komplexe Sachen wie gefütterte Mäntel an denen ich ewig sitze oder ganz Banales, wie Basic Shirts, weil ich welche brauche.
    Für mich ist es ganz klar – als diese strenge Datenschutzverordnung eingeführt wurde, haben viele ihr Blog geschlossen und der Austausch unter Blogs stagnierte.
    Nicht zuletzt stellt sich mir dann noch die Frage, investiere ich die knappe Zeit lieber ins Nähen oder ins aufwändige Fotografieren und Schreiben?
    Keine Ahnung, ob sich das mal wieder ins Gegenteil umkehrt. Einige wenige machen ja tapfer weiter – so wie Du! Ich schaue gerne bei Dir vorbei.
    Bis ganz bald!
    Birgit

    • Richtig getippt, Birgit! Urlaubsthema “Steine” meinte H. spöttich, als ich ihm die Route vorschlug: erst felsiger Dolomit und dann gestapelt von Palladio im Veneto.
      Ja, leider findest nicht nur Du die Zeit nicht… Die Fotos sind meiner Meinung nach allerdings viel weniger aufwendig als noch vor ein paar Jahren. Die Urlaubsbilder hier sind alles Schnappschüsse mit dem Handy. Bei den Kameras darin hat sich echt viel getan. Okay, bleibt das Schreiben des Textes, das ist zugegebenermaßen zeitintensiv. Dafür bekommt man so nettes Feedback, wie ich hier von Euch. Das sich jemand auf Insta die Zeit dafür nimmt, kann ich mir nur schwer vorstellen.
      Dank Dir & liebe Grüße
      Manuela

  4. Heute würde ich wahrscheinlich auch keinen Nähblog mehr beginnen, aber vor 7 Jahren, als ich eingestiegen bin, war der Austausch noch vielfältig und rege und ich habe, auch und gerade wegen der Vielfalt der Blogs, sehr viel gelernt und für mich mitgenommen.
    Ganz klar hat für mich in erster Linie die neue Datenschutzverordnung die Blogger ausgebremst, denn auf Instagram finden sich die meisten Ex-Nähblogger doch wieder.
    Klar auch, dass sich die Nähszene mit dem Nachhaltigkeitsgedanken auseinandersetzt, wobei ich sagen muss, dass ich die ständige Betonung oder den Hinweis darauf mittlerweile eher nervig finde.
    Ich war noch nie eine Näherin, der ein Teil nach dem anderen von der Nadel gehüpft ist, wie es immer so “schön” geheißen hat und ich hatte und habe auch kein großes Stofflager angelegt.
    Das liegt aber an meinem persönlichen Bedarf; ich habe meine Garderobe immer schon gerne klein und übersichtlich gehalten und habe mich selten von gehypten Schnitten zum Lemmingnähen verführen lassen.
    Grundsätzlich mag ich aber einfach diesen erhobenen Zeigefinger nicht; wir sind alle erwachsen, die Bedürfnisse und/oder der Bedarf ist, aus den verschiedensten Gründen, unterschiedlich.
    wie auch immer; dein Blüschen sieht jedenfalls ganz entzückend aus.
    Ich habe neulich auch endlich ein Hemd des Gatten, das ihm zu klein geworden ist, auf meine Maße angepasst und bin ganz angetan vom Ergebnis.
    Herzliche Grüße von Susanne

    • Bei mir war es ähnlich, auch ich verdanke der bloggenden Nähgemeinschaft viel. Ob ich heute nochmals einen Nähblog eröffnen würde, darüber habe ich, ehrlich gesagt, noch nie nachgedacht? Ich meine mich aber zu erinnen, dass vieles, wie man bspw. einen Badeanzug oder Lingerie näht, außerhalb dieser Gemeinschaft nicht so leicht wie heute zugänglich war.
      Wie Birgit scheinst Du auch der Ansicht zu sein, dass es doch eher eine Frage des Mediums ist, also mehr mit dem Bloggen, als dem Nähen zu tun hat… Was für andere scheinbar die DSGVO ist, ist für mich die Nachhaltigkeit. Mir ist dadurch etwas die Leichtigkeit beim Nähen abhanden gekommen. Ich finde die Allgegenwart dieses Themas allerdings nicht schlimm, im Gegenteil. Mit dem aktuellen Bericht des Weltklimarats stehen ja viele unserer Konsumgewohnheiten gerade zur Disposition. Nervig wird es meiner Meinung nach dann, wenn, wie Du schreibst, der erhobene Zeigefinger hinzukommt und ich den Eindruck gewinne, dass es mehr um die Demonstration der eigenen Überlegenheit (in was auch immer), als um die Sache geht. Posts über Nachhaltigkeit, die zeigen, was man tun kann (und nicht sagen, was man tun sollte), lese ich gern. Insofern hoffe ich natürlich, dass Du Dein upgecyceltes Hemd zeigst.
      Dank Dir Susanne. Viele, liebe Grüße Manuela

  5. Hej, schön von dir und deinen Gedanken und Projekten zu lesen . Und davon was alle anderen so denken. Ich persönlich glaube ja immer, dass Facebook an allem schuld ist. Das ist vielleicht ein bisschen einfach . Aber insgesamt gibt es ja kaum noch Blogs, also nicht nur keine Nähblogs mehr. Alles ist viel kommerzieller. Und der Ton ist über die Jahre immer rauer geworden. Auch unter den Nähblogs, zumindest nehme ich das so wahr. Dass man immer betonen muss, dass man nachhaltig näht ist dafür finde ich ein Beispiel. Oder wie Designer kritisiert werden, wenn sie keine großen Größen anbieten. Ich muss bei dem Thema auch immer an den Colette Untergang denken und wie das gelaufen ist. Man setzt sich schon aus mit so einem Blog .
    Deine Bluse finde ich sehr hübsch, man sieht nicht, dass die ein Upcycling ist und das finde ich sehr positiv! Die Ärmel finde ich toll und ich kann verstehen, dass du noch mehr von der Sorte nähen willst .
    Liebe Grüße
    Katharina

    • Bloß nicht die kulturelle Aneignung vergessen, neben mangelnder Nachhaltigkeit und Diversität der dritte Fallstrick, über den man im Moment stolpern kann… Zumindest, was den Ton betrifft, in dem solche Debatten geführt werden, wenn man sie überhaupt so nennen kann, sehe ich auch Facebook wenigstens als Mitverursacher. Das läuft immer nach demselben Schema ab: Shirtstorm – Boykott-Aufruf – öffentliche Entschuldigung des Unternehmens in der Hoffnung, dass dann Ruhe einkehrt. Ich finde diese Themen nur nicht spezifisch für die Nähcommunity oder für Blogs, sondern Zeitgeist. Zufälligerweise habe ich gestern Abend auf Arte eine Doku mit dem Titel “Ist die Mode noch zu retten?” gesehen, wo sich die gesamte Modeindustrie genau diesen Vorwürfen ausgesetzt sieht; und auch andere Branchen sind gezwungen, sich zu diesen Themen zu positionieren. Insofern hast Du recht, man setzt sich mit einem Blog schon aus. Das hatte ich bisher gar nicht bedacht, dass das etwas sein könnte, was Leute zunehmend vom Bloggen abhält.
      Den Untergang von Colette habe ich gar nicht mitbekommen? Nach Rue bin ich ausgestiegen, war aber zeitweise versucht, das Kleid zu nähen, obwohl es nicht in mein Beuteschema passt, einfach aus Solidarität und weil ich den Ton so schrecklich fand.
      Ups, meine Antwort ist ziemlich lang geworden. Hab’ mich sehr gefreut, mal wieder von Dir gehört zu haben. Liebe Grüße Manuela

  6. Hallo, also ich finde auch, dass es auf einigen Blogs die ich gerne geschaut habe ruhiger geworden ist und viele zu Instagram abgewandert sind …auch bei mir ist es kleiner geworden. Ich schreibe weniger….Nähe aber umso mehr und freue mich viel neu zu lernen und zu probieren. Im Frühjahr 2021 nähte ich erstmals einen Wollmantel nach einem japanischen Buch und hatte aber Glück und bekam etwas Hilfe. Beim bloggen bin ich nicht mehr so getrieben wie früher….bin spontaner geworden und nehme es wie es kommt.
    Deine Bluse aus Hemden ist toll geworden und ich habe derzeit eine Idee für ein Utensilo aus einem Herrenhemd…
    LG Carmen

    • Dankeschön.
      Oh einen Mantel nach einem japanischen Schnitt. Spannend! Bestimmt etwas Kokonartiges, da japanische Mode den Körper eher umhüllt, als gliedert… So gesehen ist die von mir gezeigte Bluse eher untypisch.
      Getrieben habe ich mich durch das Bloggen wie auch das Nähen eigentlich nie gefühlt, vermutlich weil es nur Hobbys für mich sind.
      LG Manuela

  7. Vielleicht muß man das ganze gar nicht so kompliziert sehen? Letztendlich ist ja der Grundgedanke eines Blogs ein Tagebuch- so ist er ja wohl entstanden, wenn ich das richtig verstanden habe.Und so sehe ich auch meinen Nähblog- ein Tagebuch mit vielen Bildern, die ich mir im Nachhinein auch immer wieder gerne anschaue. Wenn dieses Tagebuch von anderen gelesen wird und dem Austausch dient- gerne, aber es kommt mir nicht auf die Zahl meiner Leser an. Es mag nur eine Handvoll sein, wenn die aber aufmerksam und gerne bei mir lesen, freue ich mich darüber. Die große Masse muß ich nicht und will ich nicht ansprechen. Und so lese ich auch andere Nähblogs wie Deinen immer wieder gerne und freue mich über eine Konversation, die nicht nur aus Smilies und Herzchen besteht, sondern in kompletten Sätzen geführt wird. Natürlich gibt es jetzt weniger Nähblogs als noch vor 5 Jahren, aber ehrlich gesagt tut es mir auch nicht um jeden verschwundenen Blog leid…manche hatten auch nicht mehr Informationsgehalt als ein Instagram-Post. – Der Nachhaltigkeits-Gedanke ist sicher zunehmend wichtiger, ich kaufe auch nicht mehr so gedankenlos Stoff ein wie noch vor einigen Jahren. Andererseits- es ist unser Hobby, und irgendwo muß ja das Leben ja auch noch Spaß machen. Wenn das Refashion aber so bezaubernde Früchte trägt wie Dein Blüschen, dann hast Du absolut alles richtig gemacht!
    Liebe Grüße, Barbara

    • Manuela

      Das freut mich zu hören. Vielen, lieben Dank Barbara.
      Als Tagebuch hat dieser Blog ursprünglich mal begonnen. So war er die ersten Jahre nicht öffentlich und diente mir allein als Dokumentation meiner Nähprojekte und -fortschritte. Das hat sich für mich persönlich nicht bewährt bzw. war mir dann doch zu aufwendig; zu Dokumentationszwecken ziehe ich bis heute ein Notizbuch vor und meine Stoffvorräte verwalte ich ganz unromantisch in einer Excel-Tabelle.
      Mir geht es beim Bloggen also schon um das Gegenüber, wobei ich ganz bei Dir bin, dass es hierbei die Klasse und nicht die Masse macht! Kluge Kommentare helfen ja mitunter, die eigenen Gedanken zu schärfen: Der Schlüssel scheint für mich tatsächlich “Konversation” zu sein. Für mich ist Bloggen inzwischen eine Art, Brieffreundschaften zu unterhalten, nur eben mit den technischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts.
      Herzliche Grüße Manuela

  8. Liebe Manuela, dass auch ich, die ich früher regelmäßig in mein dashboard geschaut habe, erst nach einer Woche merke, dass es mal wieder einen interessanten Post gibt, zeigt, dass auch mir das Bloggen immer mehr abhanden kommt. Ich glaube, ich werde dazu auch mal einen Post verfassen. Spannend fand ich gerade auch, die ganzen Kommentare zu lesen, ich will mich nicht wiederholen. Deine Bluse ist soooo toll. Und auch, wenn wir uns nicht persönlich kennen, weil du leider zu weit weg wohnst, würde ich mich bei dir melden, ob du Zeit auf einen Kaffee hast, falls ich mal in Berlin bin, was leider in den letzten 2 Jahren auch nicht mehr der Fall war. Grüße, Anja

    • Manuela

      Würde mich freuen, wenn Du mal wieder in Berlin sein solltest, Dich meldest!
      Das geht mir ähnlich: Eine Weile habe ich täglich traurig in meinen leeren Feedreader geschaut, inzwischen schaue ich viel seltener hinein und das Bloggen rückt in den Hintergrund. Es scheint eben nicht nur eine Frage der Resonanz zu sein (darüber kann ich mich nun wirklich nicht beschweren), sondern auch der Inspiration bzw. der Möglichkeit zur Teilhabe, an dem, was die Anderen so machen. Deine Gedanken dazu würden mich interessieren, vielleicht findest Du ja die Muse, den Post zu schreiben.
      Liebe Grüße Manuela
      P.S. Übrigens den Margiela-Film gibt es gerade in der Arte-Mediathek.

  9. Liebe Manuela,
    Ich glaube, die DSGVO hat viele Blogger verunsichert, dazu kam die Angst, dass irgendwelche Abmahnkanzleien absurde Geldforderungen stellen, auf welcher absurden Rechtsgrundlage auch immer, wenn irgendein Fehler im Impressum auftritt. Und ja, bloggen ist aufwändig. Bilder machen, bearbeiten, damit sie auch nicht zu viel Datenvolumen fressen und auch in Regionen mit schlechtem Internet schnell geladen werden können. Text schreiben. In der Regel mit dem Anspruch, Inhalt mit Gehalt zu liefern.
    Ich halte Instagramm für ein eher niederschwelliges Angebot. Die Bilder beschneidet und verkleinert der Algorithmus, das geht schnell man braucht keine Bildbearbeitungsprogramme zu beherrschen und der Text in im Gegensatz zum Blog-Text eher eine Bildunterschrift und kein journalistischer Beitrag. Braucht zehn Minuten. Entsprechend sind die Kommentare knapp und es findet wenig Diskussion statt.
    Für mich persönlich stelle ich fest, dass ich immer weniger Zeit habe. Da muss ich mich am Abend regelmäßig entscheiden: Nähen, Blogs lesen oder doch lieber Sport machen und mal pünktlich ins Bett kommen? Vielleicht geht das anderen auch so? Man wird älter, arbeitet vielleicht mehr als früher, Kinder gehen aus dem Haus oder sind so groß, dass Mütter wieder arbeiten können, eine Karriere will gepflegt werden. Oder der Job ist so dermaßen anstrengend geworden, weil Kollegen wegrationalisiert werden, der Zeitdruck steigt…und es fehlen Zeit und Muße und vielleicht auch Interesse für das Nähen und Bloggen. Ich halte es da mit Barbara: Klasse statt Masse. Allen Blogs kann man eh nicht folgen.
    Deine Bluse ist übrigens allerliebst. Ich verwende auch gerne alte Oberhemden zum Nähen, leider hat mein Mann nicht unbedingt meinen Stoffgeschmack, das schränkt also die Material-Resource etwas ein. Manschetten und Kragen sind dann auch fast immer durch, aber einen steifen Hemdenkragen würde ich sowieso nicht verwenden wollen. Allerdings versuche ich möglichst die Knopfleiste zu retten, so schöne Knopflöcher näht meine Maschine nicht.
    Das Nachhaltigkeitsthema finde ich übrigens eher unproblematisch beim selber nähen. Ich versuche, nur selbstgenähtes zu tragen, also kaufe ich hochwertige Stoffe, die lange halten, nähe Schnitte, die eher zeitlos sind und habe einen Output von maximal 12 Stücken Oberbekleidung im Jahr, Sachen, die dann jahrelang getragen werden. So etwas halte ich per se für nachhaltig. Wir produzieren ja keine Fast Fashion, Kleidung, die nach einer Saison schon wieder out ist oder in ihre Bestandteile zerfällt.

  10. Liebe Grüße, Stefanie

    • Manuela

      Dank Dir Stefanie.
      Mmh, ist ein Blog-Post ein journalistischer Beitrag? Spannende Frage! Spontan würde ich sagen: Nein. Auch wenn die Grenzen sicherlich fließend sind, anders als Journalist*innen mitunter behaupten, um sich gegenüber Blogger*innen abzugrenzen, so bspw. im Gonzo-Journalismus oder bei meinungsbasierten Textsorten wie Rezensionen; mitunter gibt es auch Gemeinsamkeiten in der Haltung, so z. B. wenn der MMM wie der Presskodex die Trennung zwischen Werbung und Redaktion verteidigt…
      Wie Anja habe ich beim Bloggen allerdings eine entspannte Haltung dazu: Alles kann, nichts muss! Kein Stress. Umso länger ich darüber nachdenke… Für mich liegt der Charme des Bloggens eindeutig im Privaten, so ist ein Blog-Post idealerweise immer auch ein Blick durchs Schlüsselloch auf die Persönlichkeit und/oder das Leben der Bloggerin bzw. des Bloggers. Da geht es mir wie Susanne. Es ist gerade die Vielfalt der Blogs, die sich nicht von einem Algorithmus in ein Raster pressen lässt, die mir gefallen hat. Daher konnte ich mir gestern eine gewisse Schadenfreude über den Totalausfall bei Facebook auch nicht verkneifen…
      Liebe Grüße Manuela

      • Du hast Recht, “journalistischer Beitrag” ist nicht wirklich der passende Begriff. Eigentlich wollte ich damit ausdrücken, dass ein Blog-Beitrag ganz oft ein mit Sorgfalt erstellter und ausformulierter Text ist, hinter dem häufig auch eine Menge Recherche steckt. Halt die Sorte Texte, die mehr bieten als eine Bildunterschrift. Reflektierte Texte, bei denen an den Formulierungen gefeilt wurde. Bei denen man sich auch oft über die Schönheit der Sprache freuen kann. Und selbst wenn “ein Bild mehr sagt als tausend Worte”, bekommt man das mit Bildern und ein paar Zeilen Text eher nicht hin. Auch wenn ich weiß, dass es Leute gibt, die ihre Insta-Fotos mit sehr viel Liebe und Sorgfalt arrangieren, glaube ich, dass das eher die Ausnahme ist, und auch leider von den Betrachtern nicht so gewürdigt wird.
        LG, Stefanie

  11. Liebe Manuela,
    ich habe auch heute erst seit langem mal wieder in die Leiste meiner Lieblingsblogs geschaut und Deinen Beitrag gefunden. Dein Blüschen ist ganz wunderbar und ermutigt mich, weiter ein bischen auf meinem kleinen Hemdenstapel (vom Gatten und meinem Paps) herumzudenken. Ich finde ja, dass Hemden fast immer aus sehr schönen, hochwertigen Stoffen bestehen (jedenfalls bei meinen beiden “Spendern”) und sie tatsächlich eine Wiederverwertung verdient haben. Auch hier ist schon geraume Zeit eine gewisse Bloggerträgheit eingezogen. Mich ärgert’s und ich will es gerne ändern. Der MMM treibt mich immer noch ein wenig an, auch wenn ich als Mitorganisatorin doch ziemlich deprimiert auf die Zahl der verlinkten Beiträge schaue. Die hat sich in den letzten zwei Jahren halbiert! Aber die noch dabei sind, machen gern mit und genießen den Austausch – das hält uns leztlich davon ab, die Plattform ganz einzustellen.
    Mit großem Interesse habe ich Deine Gedanken und die der anderen hier gelesen und teile viele davon. Deine ausführlichen Geschichten zu einzelnen Stücken und die Ausflüge in die Nähhistorie oder spezielle Techniken mag ich sehr gerne lesen und hoffe, Du bleibst mit Deinem Blog aktiv in meiner Favorietenleiste.
    Liebe Grüße von Ina

    • Manuela

      Danke für das schöne Kompliment!
      Was die Qualität des wiederzuverwertenden Kleidungsstückes betrifft, hast Du einen wichtigen Punkt angesprochen. Bei allem Umweltengagement müssen sich die Arbeitsstunden, die man in ein Upcycling investiert, irgendwie auch lohnen. Zumindest für mich. Oftmals ist das nicht der Fall, weil der Stoff minderwertig ist: zu viel Plastik, geringe Haltbarkeit… Hemden sind da eine wohltuende Ausnahme. Würde mich freuen, wenn Du etwas von Deinem Hemdenstapel zeigst.
      Ein großes DANKESCHÖN an Dich und die anderen Mitorganisatorinnen, dass Ihr den MeMadeMittwoch aufrecht erhaltet. Ich glaube, eine solche Plattform ist weltweit einzigartig.
      Herzliche Grüße Manuela

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.