Neujahrsvorsätze, Finale der Herzen oder einfach: Hose #103 Burda 5/2017 mit Prague von Orageuse

Den ersten meiner guten Vorsätze fürs neue Jahr habe ich bereits am 2. Januar gebrochen: An allen MMMs dieses Jahr teilzunehmen. 2018 hat das immerhin zehn Mal geklappt. Ich freue mich, dass es mit dem MeMadeMittwoch weitergeht; herzlichen Dank nochmals an das alte und neue Team. Mit der monatlichen Punktlandung tue ich mich allerdings schwer; falls Ihr jemals wieder einen kürzeren Turnus erwägen solltet, hätte ich nichts dagegen, im Gegenteil … Überhaupt fiel es mir gegen Ende des Jahres schwer, Deadlines bei Sew Alongs einzuhalten; ich hoffe, es wird nicht zur Routine, die Party zu verpassen. 2019 also weniger Sew Alongs für mich, obwohl ich das gemeinschaftliche Nähen ausgesprochen gern mag; vielleicht eher Mal ein Nähkränzchen im „echten“ Leben.

Folglich arbeite ich noch Altlasten ab, hier die Tragebilder meines „Weihnachtskleides“.

Schnitt & Stoff

Den Wollstoff, Salz & Pfeffer in Braun und Schwarz habe ich bei einem gemeinsamen Gang mit einer Nähfreundin über den Wochenmarkt am Maybachufer erstanden. Um genau zu sein, hat sie ihn für mich ausgesucht, als ich ihr erzählte, dass ich mir eine Marlenehose für den Winter nähen wolle; und tatsächlich eignet sich der Stoff mit seinem fließenden, schweren Fall perfekt dafür. Den passenden Futterstoff, braun-beige gestreift habe ich wie immer in der Restekiste gefunden. Nach dem Debakel mit Prague (Schnittbesprechung hier) stand mir nicht gerade der Sinn nach weiteren Experimenten und ich habe Mod. 103 aus der Burda 5/2017 genäht. Burda-Schnitte für Webware passen mir i. d. R. gut, außerdem ist der Schnitt in der Bloggerinnenszene erprobt (schöne Beispiele hier & hier).

Einer meiner Vorsätze für 2018 ist es gewesen, mehr aus Zeitschriften zu nähen, erstens weil ich inzwischen einen nicht unbeachtlichen Fundus angesammelt habe, zweitens die wenigsten Schnitte mehrmals nähe. Zudem bin ich weniger auf detaillierte Anleitungen angewiesen als am Anfang, sodass sich die höheren Preise von Indie-Schnitten nicht mehr im selben Maße für mich rechnen. Wenn ich dagegen mein Notizbuch und meine Blogposts vom letzten Jahr durchschaue, scheine ich nach wie vor ein Herz für Indie-Schnitte zu haben (oder ein Problem mit Neujahrsvorsätzen). Erst in der zweiten Jahreshälfte ist mehr aus Zeitschriften, vor allem aus der Burda entstanden.

Seit dem Fernseh-Zweiteiler über deren Gründerin, Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau finde ich das auch gar nicht mehr so anstößig, da die Gründungsgeschichte der Burda auch eine der Emanzipation ist – zugegebenermaßen eine, die auch in das Weltbild meiner Großmutter gepasst hätte. Die pflegte nämlich zu sagen: „Hinter jedem großen Mann steht eine große Frau; hinter jeden großen Frau steht eine gescheiterte Beziehung [zu einem Mann; A. d. V.].“ Nun folgen Filme über weibliche Persönlichkeiten leider oft diesem Erzählschema, wonach sich Frauen eher von ihren Männern als von fragwürdigen Konventionen emanzipieren. Dennoch fand ich den Film entgegen der meisten Kritiken nicht uninteressant; er hat mich für eine Weile die Hochzeits-, Wüsten- und Pferdebildstrecken, sowie die Hausfrauentipps und die Kosmetikwerbung der Zeitschrift vergessen lassen. So verschieden scheint der Anfang des Verlagsimperiums Burda nicht von dem eines Indie-Labels heutzutage zu sein: Es begann und beginnt mit der Selbstermächtigung einer Frau…

 

Größe, Änderungen & Passform

Die Hose habe ich in Gr. 40 kopiert, mit großer Nahtzugabe zugeschnitten und an der Hüfte nach der ersten Anprobe auf Gr. 42 gradiert, weil sie mir nach den Weihnachtstagen etwas eng erschien. Mit Blick auf die Fotos, vor allem die Rückansicht überlege ich diese Änderung beim nächsten Mal wieder rückgängig zu machen.

Schwierigkeitsgrad & Anleitung

Sie ist schnell und einfach zu nähen, weshalb ich zur Anleitung nicht viel sagen kann; ich habe sie nicht gebraucht. Der Saum ist angehext. Ich entdecke gerade das Nähen mit der Hand für mich.

 

 

Was gefällt, was nicht? Nochmals nähen? Weiterempfehlen?

Die Hose stand schon lange auf meiner Wunschliste. Nähtechnisch finde ich sie recht unspektakulär, was bei mir, so die Erfahrung die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ein Kleidungsstück oft getragen wird. Zwar nähe ich immer noch lieber Statement Pieces, habe aber inzwischen eingesehen, dass ich lieber Understatement trage. Mehr selbst Genähtes im Alltag war schon letztes Jahr ein Vorsatz und wird mich sicherlich auch dieses Jahr weiter beschäftigen.

Was mich 2018 auch beschäftigt hat, war das Verschwinden vieler von mir gern gelesener Blogs im Zuge der DSGVO, obwohl ich nicht mehr sicher bin, was das Eine mit dem Anderen zu tun hat; vielleicht ist die DSGVO eher der Anlass als der Grund gewesen. Für mich ist offen, ob sich das nicht kommerzielle Bloggen überlebt hat oder wir nur eine Delle sehen. Umso dankbarer bin ich, dass es Euch noch gibt.

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Etwas verspätet: Happy New Year!

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12 Kommentare

  1. Also erstmal vielen dank für das Kompliment, das gebe ich gerne zurück!!! Noch eine schöne Version dieser Hose im Netz , und witzig dass wir beide damit in das neue Jahr starten… ich bin sehr froh dass es Blogs wie deinen gibt, bloß nicht aufhören, so lange du freude daran hast!!!! Lg Sarah

    • Manuela

      Oh, da wäre mir doch Deine dritte Version beinahe durch die Lappen gegangen! Danke für den Hinweis und Deinen charmanten Kommentar. LG Manuela

  2. Schönes Outfit und ich freue mich dass du den Kranichstoff vernäht. Ich muss dann auch gleich mal schauen ob ich die Burda daheim hab, den ich bin gerade auf der Suche nach einem guten Schnitt für eine Marlenehose.
    Enger machen würde ich die Hose nicht, ich finde dass die Hose auf den Fotos sehr gut sitzt.

    Das die DSVGO für viele Blogs einen Schlussstrich bedeutete, finde ich auch sehr schade, irgendwie war so rein gefühlsmäßig die Hälfte meiner gern gelesenen Blogs weg.
    Und zu nicht fertig werden bei Linkpartys, da kann ich nur sagen, dass ich da öfters die Teilnahme scheue, da ich fixe Termine bei meinem Privatvergnügen scheue (Deadlines gibt es genug im Job) und ich doch gerne mal spontan wieder was ganz anderes nähe und realle Nähdates und Treffen doch das beste ist.
    Lg Sabine

    • Manuela

      Dankeschön!
      Warum suchst Du denn einen Schnitt für eine Marlenehose? Nicht, dass ich diesen nicht empfehlen kann… aber Du hast Dir doch mal selbst einen Schnitt dafür erstellt? Zumindest meine ich mich an einige wunderbare Marlenehosen aus einem Grundschnitt auf Deinem/Eurem Blog zu erinnern…
      LG Manuela

  3. Aaach so ein schön geschriebener Post wieder. Deine differenzierte Ansicht zu dem Burda Film finde ich sehr sympathisch. Den Film habe ich allerdings nicht gesehen. Ich habe aber die Augen schon bei der Vorschau etwas verdrehen müssen, hehe.
    Dass die DSGVO nicht der wahre Auslöser für das Blogsterben war denke ich eigentlich auch. Es sind immerhin zeitgleich auch viele amerikanische Blogs ziemlich still geworden.
    So und jetzt zum ‘Kleid’ endlich 😉 Die Bluse sitzt super, ich finde die auch angezogen sehr sehr gelungen! Und die Hose sieht so aus als würde sie super in deinen Kleiderschrank passen und mir gefällt sie auch sehr. Stoff und Schnitt passen sehr gut zusammen!
    Schön dass es dich und deinen Blog gibt Manuela 🙂
    Liebe Grüße
    Katharina

    • Manuela

      Ach wie nett von Dir Katharina! Dankeschön & Dito.
      Der Film hat natürlich Momente von einem Kostümschinken, der das Widersprüchliche der Charaktere stark glättet, dennoch zeigt er, finde ich, dass es bei der Gründung der Burda auch um Empowerment ging, Frauen durch DIY einen Zugang zu etwas zu ermöglichen, den viele aufgrund ihrer finanziellen Situation nicht hatten.
      Das amerikanische Blogsterben ist mir noch gar nicht aufgefallen… Mich würden Deine Gedanken zu möglichen Auslösern sehr interessieren, falls Du zufälligerweise nach einer Idee für den nächsten Post suchst…
      Dir eine schöne Woche.
      Viele, liebe Grüße Manuela

  4. Dein Outfit ist wunderschön geworden. So ein klassischer Hosenschnitt schreit geradezu noch einmal vernäht zu werden und ich würde die Passform auch so lassen. Sie sieht locker, aber nicht zu locker aus.

    Viele Grüße

    Carola

  5. Gefällt mir sehrsehr gut, dein Set und die Passform finde ich prima.
    Und der Vorteil eines Sets ist ja, dass man die Einzelteile auch mit anderen Sachen immer wieder neu kombinieren kann.
    Auch wenn viele Blogs, die ich gern verfolgt habe, verschwunden sind und der Schwund auch immer noch anhält, bin ich froh, dass noch einige lesenswerte Blogs übriggeblieben sind, so, wie auch deiner. Vielleicht gibt es ja auch demnächst wieder eine Neubelebung, wer weiß.
    LG von Susanne

    • Manuela

      Freut mich wirklich sehr zu hören. 🙂 Danke!
      Auf eine Neubelebung hoffe ich auch…
      LG Manuela

  6. Die Hose ist sehr schön geworden, der Stoff hat wirklich einen tollen Fall. Ich wünschte, es gäbe bei mir in der Nähe einen regelmäßigen Stoffmarkt, wo man so schön einkaufen kann. Die Burda Papierschnitte passen bei mir auch immer ganz gut, mit den Schnitten aus den Zeitschriften gab es hingegen schon öfter das ein oder andere Problem. Ich will aber nicht ausschließen, dass das an meiner Abpausfähigkeit liegt.
    Liebe Grüße
    Jenny

    • Manuela

      Dank DirJenny.
      Ach ja, der Wochenmarkt am Ufer – mit Blick auf mein gut gefülltes Stofflager für mich Segen und Fluch zu gleich…
      Spannend. Bei mir ist genau umgekehrt, ich habe noch nie einen Papierschnitt der Burda sowie der Big Four (mit einer Ausnahme) ausprobiert. Vielleicht sollte ich das 2019 endlich mal machen.
      Liebe Grüße, Manuela

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