Das Modemuseum Schloss Meyenburg

Seit Ewigkeiten wollte ich das schon machen: Schloss Meyenburg einen Besuch abstatten, das seit 2006 die Sammlung von Josefine Edle von Krepl beherbergt – knapp zwei Stunden nordwestlich von Berlin mit dem Auto. Ein wunderbarer Sonntagsausflug. Das Schloss bzw. Herrenhaus liegt idyllisch in einer Parklandschaft, die bei schönem Wetter zum Flanieren einlädt. Und auch der selbst gebackene Blechkuchen (Kirsche, Rhabarber…) im hauseigenen Café ist eine Reise wert.

In Fürstenwalde geboren, hat Josefine Edle von Krepl nach einer Schneiderlehre Modedesign und Journalismus studiert, war von 1967 bis 1980 als Redakteurin für die Zeitschrift Für Dich tätig, bevor sie 1980 mit „Josefine“ ihr eigenes Label gründete und den gleichnamigen Laden in Berlin-Friedrichshain eröffnete. Zu wenig entsprach ihre Vorstellung von Mode dem offiziellen Bild der sozialistischen Frau, weshalb sie immer wieder Ärger mit den Behörden bekam. 1987 reiste sie aus. Neben ihrem Hausrat hatte sie mehr als 1000 Kleider im Gepäck, als sie der DDR den Rücken kehrte.

Die Sammlung von Krepl umfasst Damenmode von 1900 bis 1979, wobei der Schwerpunkt auf Kleidern liegt; mit Hosen kann die Sammlerin nicht so viel anfangen. Schade. Mit Herrenmode auch nicht, was zugegeben eher H. aufgefallen ist. Was die Sammlung von anderen auch unterscheidet, ist dass der Fokus nicht auf couturigen Entwürfen namhafter Designer liegt (obwohl ein Modell von Karl Lagerfeld ist auch dabei), sondern auf dem, was wirklich auf der Straße getragen worden ist. Gehweg statt Laufsteg also. So stehen am Anfang der Sammeltätigkeit von Josefine Edle von Krepl auch zwei Kleider aus Familienbesitz: eines, dass die Großmutter der 13jährigen Enkelin schenkte und das Hochzeitskleid ihrer Mutter.

Im Vorfeld war ich sehr gespannt, denn dieser Ansatz – (Alltags-)Kleidung als Gebrauchsgegenstand (und weniger als Kunstobjekt) – birgt viel Potential, hätte aber auch leicht daneben gehen können. Ist es aber nicht, im Gegenteil. In der Ausstellung werden die chronologisch angeordneten Kleider flankiert von zahlreichen Accessoires, angefangen von Schuhen, Hüten, Schmuck, Brillen, Taschen bis hin zum passenden Mobiliar, Fotografien und Modezeichnungen, die das jeweilige Jahrzehnt lebendig werden lassen. Man wähnt sich in den 50ern, 60ern usw. Mode wird so als ein Stück Zeit erfahrbar.

Meine Fotoauswahl täuscht, insofern sie sich auf die 30er bis 70er Jahre beschränkt. Die über zwei Etagen gehende Ausstellung beginnt mit dem Korsett und zeigt anschaulich, wie zwischen den Weltkriegen die Säume kürzer wurden, weil Frauen in die Berufswelt drängten.

Besonders berührt hat mich ein Raum, der sich einer frühen Form des Upcycling widmet – wenn hier auch eher ökonomisch als ökologisch motiviert. Unter dem Motto „Aus zwei mach eins“ werden Kreationen anonymer Schneiderinnen präsentiert, die aus Altkleidern gemacht sind. Der Stoffrationierung während des Zweiten Weltkrieges haben die Frauen viel Geschick und Ideenreichtum entgegengesetzt.

Eine kleine, feine Ausstellung in der “Provinz”, die alles andere als provinziell ist. Textilbegeisterte und Modefans und natürlich Liebhaber*innen von Vintage-Mode werden in Schloss Meyenburg ihre Freude haben. Nicht zuletzt können Selbermacher*innen hier viel Inspiration mitnehmen.

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8 Kommentare

  1. Eine wunderbare Empfehlung – danke dafür. Ich hatte bisher weder was von diesem Modemuseum noch von der Sammlerin gehört oder gelesen. Deine Fotos machen Lust auf einen Abstecher dahin. Vielleicht können wir es mit in unsere Urlaubstour gen Norden integrieren. Einen schönen Tag Dir und liebe Grüße von Ina

  2. Das klingt spannend! Ich kann Gehwegmode definitiv mehr abgewinnen als Laufstegmode irgendwie. Danke fürs virtuelle Mitnehmen! 🙂
    Liebe Grüße
    Katharina

  3. Boah, toll, das hört sich sehr spannend an. Leider irgendwie zu weit weg und man kommt da selten so vorbei. Schade. Danke für den Tipp. LG Anja

    • Manuela

      Ja, nicht gerade um die Ecke, selbst von hier! Für Dich könnte es Sinn machen, wenn Du es mit einem Kurzurlaub in der Gegend, z. B. an der Mecklenburgischen Seenplatte verbindest… Danke & LG Manuela

  4. Schön, dein Einblick in die Ausstellung; wäre es nicht so weit entfernt, wäre es genau der Museumsbesuch, den ich gerne machen würde.
    LG von Susanne

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