#msal20 & fails 6.1

Futterstoffe und wärmende Einlagen: Brauch ich nicht, mein Stoff ist warm genug. Welches Futter soll ich wählen, damit ich nicht friere? Der Schnitt sieht kein Futter vor, wie konstruiere ich mir einen? Erster Zwischenstand: Ich hab schon richtig was geschafft und liege gut im Zeitplan. Hilfe, irgendwie passt das alles nicht zusammen! Ich bin noch unentschlossen: welche Knöpfe soll ich nehmen? Oder doch lieber einen Reißverschluss?

#msal20

Ich bin heute schon versucht zu sagen, ‚schenkt mir jemand Zeit’, auch wenn dies erst Thema des nächsten Treffens des #msal20 ist. Die Vergangenheit lehrt mich, dass meine Motivation bei Sew Alongs einem „U“ gleicht: Anfangs kann ich mich unendlich für ein Projekt begeistern, besorge schnell Stoff, kopiere den Schnitt, nähe ein Probemodell… Dann durchschreite ich das Tal der Tränen, um auf der Zielgerade wieder Fahrt aufzunehmen. Bei Jacken und Mänteln habe ich den Hänger gewöhnlich nach dem Aufbügeln der Einlagen. In diesen Momenten frage ich mich, ob eine Bügelpresse für den Hausgebrauch nicht doch gerechtfertigt ist.

Während Thinsulate & Co. in Verbindung mit Wollstoffen nicht mein Thema ist (auch wenn ich mir gern mal einen Anorak nähen würde, der so aussieht, als sei man mit seinem Daunenbett unterwegs), sind es stabilisierende Einlagen dafür umso mehr. – Trotz des damit verbundenen Bügel-Wahnsinns. So gehöre ich auch zur Zielgruppe von Kursen wie der Essential Guide to Tailoring: Structure and Shape, der sich ausschließlich mit Einlagen beschäftigt und hatte ihn mir beim letzten Mantel gegönnt. Es fasziniert mich jedes Mal, wie durch Einlagen aus einem unmotiviert herunter hängenden Wollstoff ein Mantel oder Blazer wird, der Struktur und Form hat. Natürlich spielt das bei einem klassischen Schnitt eher eine Rolle.

Bei Grasser 517 habe ich mich bei den Vorderteilen, Belegen, Stegen, Ober- und Unterkragen, den Leisten und dem Gürtel für Rascheleinlage entschieden; für die restlichen Teile habe ich eine dünne, elastische Einlage gewählt. Hinzu kommen Form- und Kantenband für Schulternähte sowie Hals- und Armloch, sowie später noch Schulterpolster und Ärmelfische. Auf die Verstärkung der Säume werde ich verzichten, beim letzen Mantel zeichnen sie sich leicht ab. Was ich auf alle Fälle wieder machen werde, ist ein Plack; der Bereich zwischen Schulter und Brust fällt einfach schöner.

Burda: Nähen leicht gemacht

Zuschnitt und Einlagen sind abgeschlossen. Die wichtigen Markierungen sind mit Reihfaden übertragen. Die Mantellängen muss ich angleichen, da die Teile beim Aufbügeln der Einlagen unterschiedlich geschrumpft sind. Glücklicherweise nur in der Länge und Gott sei dank habe ich gegenüber dem Probemodell 16 cm zugegeben. Die Sache mit dem Grobschnitt hatte ich vergessen… Drückt mir die Daumen, dass mir das bei den Ärmeln nicht zum Verhängnis wird. Passenden Futterstoff habe ich inzwischen auch – ein Jacquard-Futter, das an die Tapete in einem römischen Palazzo erinnert. Ihr erinnert Euch? Micheles Faible für Muster, Patina und Flohmarkt-Flair. Knöpfe fehlen mir noch…

Das ich mal ein Plädoyer fürs Bügeln schreibe! Gewöhnlich höre ich nach der Fertigstellung eines Kleidungsstückes auch wieder damit auf. Leichter macht es das richtige Werkzeug, den Wollstoff zu „dressieren“. So habe ich mir schon länger einen Bügelamboss (Tailor’s Board) gewünscht und hätte auch längst schon einen gekauft, wenn H. nicht gesagt hätte, dass wir das selber können. Ach ja?! Eine Anleitung samt Erfahrungsbericht dafür habe ich vor einem Jahr bei Anne (Beswingtes Allerlei) gefunden. Dann passierte Monate lang nichts – bis sich H.s Schwester einen gekauft hat.

Und dann ging alles ganz schnell: Ein paar Tage später drückte mir der Postbote leicht genervt (3. Stock) einen Balken Buchenholz in die Hand und wieder ein paar Tage später überreichte mir H. stolz seinen selbst gebauten Bügelamboss. Ist er nicht süß? Also H., obwohl in mein neues Tailor’s Board bin ich auch schwer verliebt. Um es auszuprobieren (und weil ich wegen der Leistentaschen prokrastiniere…) habe ich mit dem Kragen angefangen. Das Ergebnis gefällt mir. Stoff und Schnitt harmonieren gut.

Mich hat Martina (Max Lau) beim letzten MMM nicht nur daran erinnert, dass ich den Blazer-Kurs von Inge hier ebenfalls noch zu liegen habe, sondern sie hat auch einen Tipp für weitere Bügelhilfen geteilt. Vielen, lieben Dank! Jetzt warte ich auf meine Bestellung, obwohl ich Inges Idee (ich glaube, es war der Hosen-Kurs), sich einen Pfriem aus einer abgesägten Zahnbürste zu basteln, nach wie vor ziemlich lässig finde. Entspräche eigentlich mehr dem Geist von DIY?

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Beruflich wie privat hat die Jahres-End-Rally begonnen. So startet heute auch die letzte Runde von Fails!, meiner persönlichen Jahresaktion. Als Kontrast zum Mantelprojekt, weil es sich zwei mir nah stehende Bloggerinnen gewünscht haben und um nicht vollends unterzugehen, setzte ich einfach das Thema Maschenware & Shirts fort.

Ich wünsche Euch eine schöne Woche. Bleibt gesund!

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24 Kommentare

  1. Puh, kein Wunder, dass Dir zwischendurch die Puste ausgeht. Wer so akkurat wie Du alles verstärkt und auch noch Probemodelle näht, braucht einen langen Atem. Auf Probeteile verzichte ich generell, allerdings falle ich gewöhnlich gut in die Gardemaße und Einlagen gibt’s nur da, wo es wirklich sein muss. Bisher habe ich das noch nicht vermisst, aber wenn ich drüber nachdenke, könnte mein schwarzer Mantel von vor drei Jahren tatsächlich etwas mehr Struktur gebrauchen. Für solche Anregungen finde ich Sew Alongs einfach genial. Ich werde mich Mal mehr damit beschäftigen. LG Anke

    • Ja, Sew Alongs sind wirklich klasse, da kann man viel mitnehmen. Schade, dass sie etwas aus der Mode gekommen sind…
      Danke & Liebe Grüße Manuela

  2. Ich kann mich Ankes Kommentar anschließen; bei so einem aufwändigen Mantelprojekt würde mir im Moment auch die Puste ausgehen. Von daher bin ich voller Ehrfurcht, dass du es dennoch angehst und letztendlich sicher ein ganz toller Mantel dabei herauskommt. Danke auch, dass du noch einmal an die angespitzte Zahnbürste erinnerst. Über die hatte ich mich in dem Nähkurs auch sehe amüsiert.

    Viele Grüße

    Carola

    • Wahrscheinlich alles zu seiner Zeit! Ich beneide Dich ja um Deine Joanna von Schnittchen. Der Schnitt liegt hier seit Ewigkeiten geplottet…
      Dank Dir & liebe Grüße
      Manuela

  3. Ja, die Vorarbeiten für einen gut sitzenden und gut fallenden Mantel können schon lästig sein, aber letztlich kann man sich umso mehr an einem perfekten Ergebnis freuen.
    Du machst das prima und kleine Hänger angesichts der to-do-Liste sind doch normal.
    Herzliche Grüße von Susanne

  4. Du hast mein volles Mitgefühl! Einlagen aufkleben mit einem kleinen Bügeleisen macht wirklich gar keinen Spaß. Und man braucht eeewig. Vielen Dank für die vielen hilfreichen Tipps zum Verstärken! Es ist eine Freude, dir (und den anderen Teilnehmerinnen) beim hochwertigen Handwerk zuzuschauen.
    Im Mai war das Thema “Blumen” bei den Stoffspielereien, vielleicht wirst du da zum Thema Stoffblumen fündig.
    Viel Durchhaltevermögen wünscht Christiane

    • Danke!
      Auch für den Tipp mit den Blumen. Da hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm. Irgendjemand von Euch hatte Ansteckblumen gemacht…
      Liebe Grüße Manuela

  5. Die Vorarbeiten bei so einem Mantelprojekt sind wirklich exorbitant. Ich erinnere mich noch gut an meine Arbeit am Clare-Mantel von ClosetCase, da stand ich auch stundenlang am Bügelbrett. Wobei ich damals nicht nur die Einlage aufgebügelt habe, sondern vorm Zuschneiden auch den ganzen Stoff schon einmal abgedämpft habe- mit der Bügelstation, immer Stück für Stück, das war sehr langwierig. Aber ich denke, daß es sinnvoll ist, denn sonst läuft der Wollstoff später ein, entweder beim Aufbügeln der Einlage oder schlimmer noch beim Nähen und Dämpfen, man nimmt ja immer viel Dampf für so Wollstück. Aber die Arbeit lohnt sich doch unbedingt, Dein Mantel wird sicher toll!
    Und Bügelutensilien sind unbedingt wichtig, ich kann noch eine weitere Quelle hinzufügen: bei metermeter.dk gibt es (neben schönen Stoffen) auch Bügelequipment aus Holz, das schmachte ich schon eine Weile an…
    Liebe Grüße,
    Barbara

    • Das Abdämpfen im Vorfeld nehme ich i. d. R. noch sportlich, da kann ich mich auf den Zuschnitt freuen; ich schneide gern an…
      Dankeschön für den Tipp, die Seite kenne ich noch gar nicht.
      Liebe Grüße Manuela

  6. Deinen Bügelfrust kann ich gut nachvollziehen. Ich habe letztens eine tolle Weste aus hochwertigem Wollstoff genäht, bei der das ganze Vorderteil verstärkt werden sollte und das hat mit dem Dampfbügeleisen nur semi-gut funktioniert. (ich hab meinen Beitrag dazu oben verlinkt)..Jetzt will ich mal eine Bügelpresse bei ner Freundin ausprobieren und dann sehen wir weiter.

    • Bin gespannt, was Du berichtest! Ich habe noch nie mit einer Bügelpresse gearbeitet. Die Weste für Deinen Mann ist wirklich schön geworden, die Karos treffen perfekt aufeinander. Ich finde das ziemlich schwer… und auf den Fotos sieht man übrigens nicht, dass die Einlage nicht haften wollte. LG Manuela

      • Lieben Dank für die Rückmeldung zur Weste!
        Wenn ich irgendwann dazu komme, die Bügelpresse auszuprobieren und darüber zu schreiben, melde ich mich nochmal. (In der nächsten Zeit ist erstmal nur Homewear geplant ;))

  7. Ich bin sehr beeindruckt, ja, das Bügeln, sei nicht zu perfektionistisch und zu streng mit dir, der Mantel wird toll, bin schon gespannt, Gruß, Anja

  8. Tja, bügeln ist auch nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung. Ich habe mich bezüglich Einlage erstmal zurückgehalten und teilweise auf die Stabilisierung durch die Schichtung von Oberstoff und Futter gehofft, weil ich den Mantel nicht zu steif haben will, habe aber auch schon nacharbeiten müssen, was viel Zeit gebraucht hat. Nun bin ich zwar schon gut vorangekommen, aber auch ein wenig erschöpft. Puh! Trotzdem, wir schaffen das! So nach einer gewissen Zeit will man ja auch Ergebnisse sehen, nicht? Viele Grüße Regina

    • Zu steif ist die Kehrseite bzw. andere Gefahr; man möchte schließlich nicht wie eine Säule in seinem Mantel aussehen. Insofern kann ich Deine Zurückhaltung gut nachvollziehen. Das ist jedes Mal ein Balanceakt.
      Ja, wir schaffen das, Recht hast Du!
      Dankeschön & liebe Grüße Manuela

  9. Das hört sich doch schon vielversprechend an und der Kragen sieht schon gut aus 🙂 Ich kann sehr gut nachfühlen, dass dir gerade die Motivation etwas flöten geht. Aber du kannst dir auf die Schulter klopfen, du bist immerhin mit den Vorbereitungen fertig, ab jetzt sieht man die Fortschritte schneller. Ich bin auch ein Fan von Bügeleinlagen, das lässt so manches Teil noch akkurater aussehen. Wobei der Begriff “Rascheleinlage” für mich neu ist. Inwiefern unterscheidet sich die von einer “normalen” dünnen Einlage (z.B. Vliseline H200)? Übrigens wirklich beneidenswert, dass du einen so tollen Bügelamboss bekommen hast. Ich erinnere mich noch, dass meine Mutter früher ein Ärmelbügelbrett hatte und ich mich immer gefragt habe, ob man das wirklich brauch. Heute weiß ich, ja, brauch man! Am liebsten hätte ich auch noch ein paar Bügel-Zubehörteile, aber ich verzichte aus Platzgründen gerade noch.
    Viele liebe Grüße und ganz viel Motivation für’s Weiternähen!
    Jenny

    • Vielen, lieben Dank Jenny!
      Der erste Unterschied ist der Preis. Rascheleinlage liegt 140 cm breit, Vliseline nur 90 cm. Der lokale Kurzwarenhändler hat sie mir irgendwann in die Hand gedrückt. Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht und bin dabei geblieben. Sie stabilisiert den Stoff, ohne ihn steif zu machen, sprich Rascheleinlage ist leicht elastisch und besitzt eine gewisse Rücksprungkraft. Zudem haftet sie gut, und persönlich mag ich auch die flanelartige Haptik im Winter ganz gern.
      Liebe Grüße Manuela

  10. Uiuiuiui, klingt so als hättest du am Ende, das bald naht nur noch die ganze schöne Näharbeit! Ich wünsche es dir! Und das Endergebnis kann ja nur toll werden bei dem Aufwand Einen Stoffblumengürtel gibt es meine ich bei Pattydoo. Jetzt bin ich auf deine fails gespannt!
    Liebe Grüße
    Katharina

    • Ach wie lieb von Dir, Katharina. Dankeschön!
      Auch für den Tipp mit den Blumen bei Pattydoo. Die Shirts nehme ich mir in den Weihnachtsferien nochmals vor.
      Viele, liebe Grüße Manuela

  11. Gut Ding will Weile haben und so lästig das Bügeln und die akkurate Vorbereitung auch ist, der Aufwand lohnt sich durch ein gutes Kleidungsstück.
    Was für eine Anleitung für Stoffblumen suchst Du genau?
    Eine hätte ich hier
    https://naehfreundin.blogspot.com/2017/06/vom-stoffrest-zum-blutenanhanger.html
    Weiterhin gutes Gelingen und Geduld!
    Herzliche Grüße
    Susan

    • Das Model auf dem Laufsteg trug Ton in Ton eine Stoffblume am Revers, die an eine Pfingstrose erinnert (siehe meinen vorherigen Post zum #msal20). Wäre so eine Spielerei…
      Herzlichen Dank für Deine Unterstützung.
      Liebe Grüße Manuela

      • Als Unterlage für die Blume könntest Du ein Stück verstärkten Mantelstoff nehmen. Darauf dann eine große Blüte aus schwarzer Seide nach der Anleitung lt. Link. Mir würde das gefallen.
        Liebe Grüße
        Susan

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