Marlenehosen: retro oder zeitlos? Mod. 125 Burda 08/2012

Nicht wenigen dürfte dieser Impuls vertraut sein, nachdem man bei den Nähnerdettes vorbeigeschaut hat: Plötzlich meint man, etwas zu brauchen, von dem man zuvor nicht einmal wusste, dass es existiert. Mir ging es so, nachdem ich in den letzten Wochen mehrere Matrosenhosen gesehen habe (z. B. hier). Bis dahin dachte ich bei Marine-Look zuerst an Kindersachen aus dem 19. Jh., bretonische Fischerhemden oder Cabanjacken, weniger an eine in der Taille sitzende Hose mit weitem Bein, Hüftpassentaschen und Latz, vorzugsweise in Blau mit Knöpfen aus Metall.

Schnitt & Stoff

Fündig geworden bin ich in der Burda: Mod. 125 aus Heft 08/2012, schlicht als „Hose – Marine-Stil“ bezeichnet und unter der Rubrik Marlenehosen zu finden. An die eigene Konstruktion des Latzes habe ich mich nicht herangetraut (Beispiel & Anleitung hier). Bei meiner Hose sind die Knöpfe nur Dekoration, sie wird über einen Nahtreißer an der Seite geschlossen. Auch hat sie keinen Latz, sondern zwei Bundfalten, die durch die Knöpfe fixiert werden, ebenso eine niedrigere Bundhöhe, was meinen Tragegewohnheiten entgegen kommt. Mod. 125 aus der Burda 02/2012 habe ich schlichtweg übersehen, die wirklich einen Latz hat und taillenhoch sitzt. Genäht habe ich meine Version aus einem fließenden, mittelschweren Wollstoff in Schwarz – bei den aktuellen Temperaturen nicht die beste Wahl. Die Knöpfe sind aus Holz und die Hüftpassentaschen sind mit beigefarbigem Garn abgesteppt.

 

Das Shirt ist Mira von pattydoo (Schnittbesprechung hier): Ich habe das Oberteil des Kleides verlängert und das Asymmetrische, das mir an dem Schnitt gefällt, durch Farb- und Mustermix betont. Bei Bewegung rutscht es leider hoch, es sitzt etwas spack. Vielleicht sollte ich über Bodys nachdenken.

Größe, Passform & Änderungen

Genäht habe ich die Hose in Gr. 40/42 (Größenkombination nach diesem Vorbild), ansonsten keine Änderungen. Die gute Passform hat mich insofern überrascht, als meine erste Hose nach einem Burda-Schnitt vor zwei Jahren ein Desaster war.

Anleitung & Schwierigkeitsgrad

Schwierigkeiten hatte ich nur bei den Hüftpassentaschen. Irgendwie wollten der Taschenbeutel und die Hüftpasse mit angeschnittenem Taschenbeutel nicht richtig aufeinander passen. Nichts, was sich nicht mit der Overlock beim Versäubern lösen ließ, aber ich verstehe nicht, warum. Dasselbe ist mir schon einmal bei einem Rock aus der Burda passiert … Über die Anleitungen der Burda ist eigentlich alles gesagt. Was mich echt genervt hat: Ich habe Mod. 125 als Download gekauft, weil ich Heft 08/2012 nicht besitze. In der dazugehörigen Anleitung heißt es: „Hüftpassentaschen s. Modell 124.“ Hallo?!!

Was gefällt, was nicht? Nochmals nähen? Weiterempfehlen?

Nochmals nähen? Bestimmt. Sag’ ich öfter, obwohl die Erfahrung zeigt, dass ich keine Seriennäherin bin. Vielleicht wird es auch ein anderer Schnitt, aber Marlenehosen werde ich sicherlich in meine Garderobe integrieren.

Beim Nähen ist mir aufgefallen, dass ich recht wenig über die Namensgeberin dieser Hosenform weiß: Marlene Dietrich. – Eigentlich habe ich nur einzelne Bilder im Kopf: Songzeilen, wie „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt …“ oder „Sag mir, wo die Blumen sind …“; Josef Sternbergs Film Der Blaue Engel, der Marlene Dietrich 1930 zum Star machte; s/w-Fotos von ihr mit rot geschminkten Lippen, schmalen Augenbrauen und Zigarette in der Hand. Wem es ähnlich geht, dem kann ich die Dokumentation Marlene Dietrich –  Her Own Song (2002) und die Podcast-Folge Marlene Dietrich at War (2015) empfehlen.

Ach ja, wie kam die Hose nun zu ihrem Namen? In Morocco (1930), ihrem zweiten Film mit Sternberg, bereits in Hollywood gedreht, spielt Marlene Dietrich die Nachtclubsängerin Amy Jolly. In einer Szene trägt Amy Smoking, Fliege und Zylinder und küsst beim Vorbeigehen eine Frau. Auch zur Filmpremiere tauchte Marlene Dietrich in Hosen auf: „I wear them to be comfortable not sensational.“ Das sah die amerikanische Presse und Öffentlichkeit anders … Und so wurde in der Folge ein Herrenkleidungsstück zum Symbol weiblicher Emanzipation.

Damit reihe ich mich heute beim MMM ein, wo sich Leute treffen, die Zuschreibungen, wie man/Frau auszusehen hat, eigene Vorstellungen entgegensetzen.

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22 Kommentare

  1. Vielen dank für’s zeigen… ich hab auch schon eine genäht aber die vielen Hintergrund Infos hatte ich nicht. Deine Version ist auch sehr schön!!! Lg Sarah

  2. Hallo Manuela, genau diese Hose steht auf meiner Näh-Agenda. Sie steht dir übrigens hervorragend. Kompliment! Flott und elegant, das mag ich.
    Eine Matrosenhose will ich schon länger nähen und habe mir deshalb das Burdaheft einmal antiquarisch zugelegt und mein Vorhaben auch in meinem letzten Post fixiert. Wenn Du Interesse hast, schicke ich dir gern die fehlende Anleitung für die Hüftpassentasche von Modell 124 zu, die dir von Burda einfach so vorenthalten wurde. Bei Interesse melde dich einfach.

    L. von fabricandacuppa

    • Manuela

      Herzlichen Dank für das Angebot! Wenn es nicht zu viele Umstände macht, würde ich es gerne annehmen.

      • Macht mir überhaupt keine Umstände. Die wie immer knapp gehaltene Anleitung müsste schon in deiner Mailbox schlummern.

        Viele Grüße !

  3. Sehr gelungen!!! Die Hose steht Dir hervorragend, sitzt top!

    Herzliche Grüße

    Irene

  4. Ohja! Diesen Schnitt muss ich auch nähen, sowas habe ich gesucht. Danke für den Tipp. Und nun zu Deiner Hose: Sie ist klasse, sitzt wunderbar an Dir und sieht einfach schick aus. Das ist ein Retroklassiker. Zeitlos widerspricht dem ganzen nicht, weil es wirklich nicht wie aus der Zeit gefallen wirkt. Lieben Gruß Verena

  5. Ich bin von deiner Hose schwer begeistert, sie sieht an dir unheimlich cool aus!
    Schön, dass du die Farbe der Knöpfe bei den Nähten aufgegriffen hast, tolles Detail!
    Viele Grüße
    Marta

  6. strickprinzessin

    Tolle Kombi . Die Hose ist top und das Shirt werde ich mir auch nähen :).
    lG Melanie

  7. Eindeutig ein zeitloser Klassiker! Toll geworden und passt perfekt. Damit kannst du in Serienproduktion gehen 😉

    Liebe Grüße
    Julia

  8. Die Hose ist der Hammer. Mehr davon. LG Heike

  9. Prinzenrolle

    Ich drücke ja uns allen die Daumen, dass sich die sommerlichen Temperaturen noch etwas halten. Aber falls es kühler wird, denke ich daran, dass du mit neuer Marlene-Hose einen Spaß dran haben kannst. Steht dir prima. Also ist dem Nähen einer weiteren Hose nach diesem Schnitt gar nichts im Wege…

  10. Was für eine schöne Hose! LG, Nina

  11. Die Hose sieht klasse aus!! Ich schiebe bei mir ja immer ein bisschen Panik, dass taschenlose Hosen einen riesen Hintern machen- interessanterweise ist das bei dir nicht so 🙂 (weißt du zufällig, wieviel Stoff du gebraucht hast?)
    LG Maria (…die auch schon mal ein burda-Hosendesaster hinter sich hatte…)

    • Manuela

      In der Anleitung sind 2,05 m angegeben bei einer Breite von 1,50 m. Ich habe gerade das Reststück vermessen und noch 0,3 m über. Der Stoff lag schon länger in meinem Bestand, es waren aber, wenn ich mich recht erinnere, genau 2 m. Mit 1,80 m solltest Du eigentlich hinkommen. Bei kleinerer Größe sind 1,45 m angegeben, weil Du dann die Hosenbeine beim Zuschnitt nicht versetzt auflegen musst.

  12. Wirklich eine sehr schöne Hose, besonders mit dem Latz, steht dir prima! Liebe Grüße, Nadine

  13. Mich beschleicht gerade das Gefühl, dass ich schnellstens eine Marlene-Marine-Hose brauche…
    Wunderbar, Deine Version!
    Liebe Grüße,
    Sandra

  14. Tolles Outfit finde ich! Die Hose sieht super aus von Schwierigkeiten mit den Taschen sieht man Oberhaupt nichts. Die Knöpfe passen auch sehr gut und dass der Latz nur gefaked ist finde ich auch klug, ist immer ein bisschen fummelig den Verschluss auf und zu zu machen. Ich hatte auch über einen verdeckten Reißverschluss nachgedacht, aber wegen der Absteppungen und Details der Jeans drauf verzichtet. Ganz toll finde ich auch das Shirt. Das sieht echt gut aus mit den verschiedenen Stoffen! Ich muss den Schnitt jetzt echt mal probieren 🙂
    Liebe Grüße
    Katharina

  15. Deine Hose ist total schön geworden! Sollte es so heiss bleiben, kannst du dich dann immerhin echt auf den Herbst in dieser Hose freuen! Das Shirt hat tolle Farben, ich selbst würde es am Bund in die Hose stecken, das verhindert oft schon das hochrutschen. Viele Grüße
    Pina

  16. Toll, toll, toll. Als großer Fan dieses Hosenstils bin ich begeistert von Deiner Version. Sie sitzt wie angegossen und die Knöpfe passen perfekt dazu. Daumen hoch! LG Ina

  17. Die Hose sieht fabelhaft. Eine Marlenhose dümpelt bei mir auch auf dem fertig nähen Stapel rum.
    Ich selber finde Marlene Hosen sehr schick und auch endlich mal was anderes als die knautsch engen Jeans und jeggins die sich alle zwängen.
    Lg Sabine

    • Manuela

      Vielen, lieben Dank.
      Ich würde mich freuen, bei Gegelegenheit Deine Marlenehose zu sehen.
      Mit den Skinny Jeans habe ich mich auch nie anfreunden können, ich meine mich aber zu erinnen, als sie in den Nuller Jahren aufkamen, es in den einschlägigen Läden für jüngere Leute kaum etwas anderes mehr zu kaufen gab … LG, Manuela

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