Tage der offenen Tür 21. bis 23. Juli in der Universität der Künste Berlin – Rundgang 2017

Es regnet. Genauer gesagt, es gießt. H. und ich sitzen nach Salat und Espresso in einem unserer Lieblingsläden fest. Auf die Fahrräder prasselt der Regen. Meine Pläne für diesen Nachmittag drohen ins Wasser zu fallen. An der Universität der Künste findet gerade der jährliche Rundgang statt – ein Potpourri aus Ausstellungen, Lesungen, Theateraufführungen und Konzerten, das die Lehrenden und Studierenden zum Ende des Sommersemesters veranstalten. In den letzten Jahren haben wir immer etwas für uns entdeckt, wenn die Kunsthochschule für ein Wochenende ihre Türen öffnet. Meine Miene verfinstert sich. H., Kind der Sharing Economy, leiht ein Auto. Doch bei diesem Wolkenbruch kommen wir nicht einmal zum Car to Go. Der Alumni-Talk des Studiengangs Modedesigns dürfte begonnen haben.

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Fakultät Gestaltung / Mode- und Produktdesign, 3D Haus: Ich bin versöhnt. Die Fakultät hat nicht nur ihre Ateliers und Werkstätten geöffnet. Allein hierfür würde sich der Besuch schon lohnen. Vielmehr hat sie eine Reihe von thematischen Ausstellungen konzipiert, die zeigen, dass Mode weit mehr als das Entwerfen stylischer Outfits ist.

Siebdruckwerkstatt und Färberei

Werkstatt Strickerei und Weberei

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Musical Chairs

Musical Chairs

Musical Chairs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir stehen in der Ausstellung Musical Chairs. Ein Rollenspiel. Und ein Seitenhieb auf den immer schnelleren Wechsel der Kreativdirektoren bei den großen Modehäusern. Raf Simons war bei Dior nur drei Jahre. Tatsächlich, durch den Film Dior und ich (Kinostart in Deutschland 2015) kam es mir noch kürzer vor. Die Studierenden haben sich jeweils ein Modehaus ausgesucht und eine kleine Kollektion entworfen, die sich, so die Vorgabe, im Spannungsfeld zwischen der „Linie“ des Hauses und der eigenen Handschrift als Designer bewegen soll. Begeistert schauen wir auf die Entwürfe, die die fiktiven Kreativdirektoren der Marken Vivienne Westwood, Dries van Noten und Jil Sander präsentieren.

Ein Stockwerk höher wird unter dem Titel Comeback Opulentia. Wie barock ist das 21. Jahrhundert? Trendforschung betrieben. Der Minimalismus in der Mode sei vorbei und das große Bling-Bling zurück. Ach wirklich? Darüber ließe sich sicherlich streiten.

Material Matter beschäftigt sich mit den Rahmenbedingungen, mit der Auflösung der Parameter zwischen Haute Couture und Fast Fashion. Das Rad der Mode drehe sich immer schneller, angetrieben durch Kommerz und (soziale) Medien … Nicht zuletzt setze die DIY-Bewegung den Professionals zu:

Die Designer finden sich wieder zwischen Konsumenten, die selber gestalten oder mitgestalten wollen und fragen sich, was ist meine Arbeit eigentlich noch wert?

Copycat kreist um das Verhältnis zwischen Original und Kopie, allerdings weniger um die Frage, wie sich die eigenen Entwürfe vor Kopieren schützen lassen. Vielmehr geht es im Sinne von Austin Kleons Manifest Steal Like An Artist darum, aus Unoriginellem Inspiration zu ziehen. So können z. B. aus Partnerlook und Outdoor-Bekleidung, die unter Modebewussten als absolutes No-Go gelten, wunderschöne Outfits in Organza und Strick entstehen (Nina Birri).

Auch wenn sich uns der Zusammenhang zwischen den einzelnen Arbeiten und den aufgeworfenen Fragen nicht immer erschließt, ist es dennoch ein inspirierender Nachmittag, der viel Diskussionsstoff liefert.

Comback Opulentia

Copycat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Der Alumni-Talk ist in fünf Minuten vorbei. Ohne uns. Für die Ausstellung Manifest_Antworten zu aktuellen Fragen im Modedesign ist es leider zu spät. Wir müssen noch ein Bügeleisen kaufen. Und stehen wieder im Regen.

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Nachtrag: Noch bis heute Abend. Programm des gesamten Rundgangs 2017 an der UdK hier. Fakultät Gestaltung / Mode- und Produktdesign: Straße des 17. Juni 118 und Einsteinufer 43, 11 bis18 Uhr, Führung durch die Ausstellung Manifest 14 Uhr.