Das Kirschblütenkleid alias Mira von pattydoo

In diesem Fall war der Stoff am Anfang. Meistens kaufe ich Stoffe projekt- oder schnittbezogen (okay, ich versuche es zumindest). Aber an diesem Jersey mit stilisierten Kirschblütenzweigen konnte ich einfach nicht vorbeigehen. Zuhause fragte ich mich, was ich damit soll (wohlgemerkt mit 3,50 m): Beige steht mir nicht, Pink mag ich nicht. Die Stoffmenge ruft Kleid (oder Serienproduktion) … Kleider nähe ich zwar gern, trage ich aber nicht gern. Jersey-Kleider schon gar nicht. Warum eigentlich nicht? Bisher fand ich das wohl in Bezug auf meine Person so abwegig, dass ich trotz einiger Anläufe noch nie ein Kleid aus Jersey genäht habe.

Anlässlich des Motto-MMM’s „Blumen“ habe ich den Stoff wieder hervorgezogen. Ich weiß, der war letzte Woche …

Da der Jersey recht dünn ist, wollte ich das Kleid füttern. Die Suche nach elastischem Futterstoff war für mich neu und gestaltete sich daher nicht so einfach. Mit Stoff und Faden bewaffnet, habe ich den jungen Mann ziemlich aus dem Konzept gebracht, als ich nach „Charmeuse in Nude“ fragte. Es wurde auch nicht besser, als ich mich beeilte zu ergänzen, dass man daraus früher Unterwäsche genäht hat. Er holte einen Kollegen, der brummte „Kunstseide“ und ich ging mit einer Viskose in Körperbindung nach Hause. Entstanden ist ein Probekleid, in das ich mit einiger Akrobatik hineinkomme. Kurzum, ich habe drei Anläufe gebraucht, um den passenden Futterstoff zu finden. Und ich habe ihn gefunden. Er raschelt wie Seidenpapier … Wie macht Ihr das, etwas indiskret gefragt, füttert Ihr Eure Jersey-Kleider oder tragt Ihr Unterröcke?

Schnitt

Zwar habe ich mit Tuuli geliebäugelt, nachdem ich mehrere schöne Versionen gesehen habe (hier und hier), aber Faltenrock und Stoffmuster hätten sich, wie ich finde, gegenseitig die Show gestohlen. So ist es Mira von pattydoo geworden, weil der Ausschnitt in meiner Vorstellung perfekt mit den Blütenzweigen harmonierte.

Mit Mira bekommt man einen Schnitt für ein Jersey-Kleid mit Prinzessnähten. Der Rock in A-Linie wird vorne und hinten jeweils in vier Falten gelegt. Angeboten werden zwei Ausschnittvarianten (Rundhals & „Kimono“) und drei Ärmellängen (kurz, ¾ & lang). Mir gefällt der Schnitt wegen besagten Ausschnittes und des asymmetrischen Vorderteils.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Größe, Passform & Änderungen

Genäht habe ich Gr. 40. Das Oberteil musste ich 3 cm verlängern und den Rock 12 cm, damit er das Knie bedeckt. Ich wollte ein Kleid, kein Kleidchen. Um die Taillennaht zu stabilisieren, habe ich ein Gummiband eingenäht (Anregung hier). Sicherlich hätte man das Füttern eleganter lösen können. Ich habe das Kleid gedoppelt und beide Teile an Armloch und Halsausschnitt auf den Nahtzugaben zusammengenäht.

Anleitung & Schwierigkeitsgrad

Mit der Videoanleitung von pattydoo können auch Anfänger das Kleid nähen. Ich finde, der Schnitt (auf Deutsch und in Englisch) ist handwerklich gut gemacht. Er verfügt über ausreichend Passzeichen, Nahtzugaben und Verlängerungslinien sind enthalten. In der Anleitung ist genau erklärt, wie man den Schnitt für sich anpasst, wenn man zwischen zwei Größen liegt.

Wahrscheinlich ist es eben zu einfach gewesen! Lange habe ich nicht so viel Murks produziert. Es begann mit dem Zuschnitt: Zwar hatte ich an die Musterrichtung gedacht, dafür aber beim Rockteil Seitennaht und hintere Mitte falsch an den Bruch gelegt. Nächster (Denk-)Fehler: Ich habe die Saumpasse zu schmal zugeschnitten, weshalb sie nun nicht dieselbe Breite wie Hals- und Armbündchen hat. Und so ging es weiter …

Umso mehr freue ich mich, das Kleid doch noch auf dem MMM zeigen zu können, den heute Nina (Kleidermanie) in einem Kleid von Louis Antoinette eröffnet – ein Label, das ich bisher noch nicht kannte. Für solche Fundstücke mag ich die MMM-Gemeinde. Et voilà.

Was gefällt, was nicht? Nochmals nähen? Weiterempfehlen?

Es sind echt zwei Paar Schuhe, was man gern näht, und was man gern trägt – in letzter Zeit hatte ich den Eindruck, damit nicht allein zu sein (z. B. hier und hier). Auf der Schneiderpuppe gefällt mir das Kleid. Ich mag die Konstruktion des Oberteils und habe es gern genäht. Angezogen komme ich mir darin fremd  vor. Ich weiß nicht, ob es an Farbe, Material, Schnitt liegt oder meinem zwiespältigen Verhältnis zu Kleidern. Einerseits denke ich bei Rosa/Pink an Kirschblüten, Himbeeren und seit Januar an Pussy Hats, andererseits  verbinde ich damit an eine bonbonfarbene Barbie-Welt. Vielleicht fremdele ich auch mit dem Material. Meine bisher selbst genähten Kleider sind allesamt aus Webstoff, im Alltag fühle ich mich in ihnen mitunter aus der Zeit gefallen, in Mira befürchte ich nicht ausreichend angezogen zu sein. Klingt kompliziert, ich weiß! Der Schnitt tut sein Übriges zu dem recht mädchenhaften Look. Nochmals nähen werde ich sicherlich das Oberteil als Pulli zu taillenhohen Röcken.

H. meinte übrigens: „Zu heißen Sommertagen passt es.“ Das hieße, es lege am Wetter. Schauen wir mal, ob sich etwas an meinemTragegefühl ändert, falls es irgendwann Mal wärmer und sonniger wird …

 

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19 Kommentare

  1. Claudia Merkel-Hoffmann

    Ich finde das Kleid ganz wunderbar !!

  2. sehr schön geworden und die pinken Streifen und Tupfer bilden ein hübsches Highlight! 🙂
    Ich füttere meine Kleider eigentlich selten und habe dafür eine kleine Armada an Unterkleidern aus Futterstoff mit Falzgummi (den Schnitt 116-072013 von burda nehme ich dafür ganz gerne)
    LG Maria

    • Manuela

      Dankeschön für den Schnitt-Tip. Ich bin gerade am überlegen, ob Unterkleider vielleicht die bessere Alternative sind … LG, Manuela

      • also für allgemein hautfreundliche Stoffe würde ich sagen: Ja! (wenn du allerdings ein Kleid aus furchtbar krabbeligem Wollstoff hast, ist füttern wahrscheinlich besser :D)
        Ich tendiere eher zu Webware weil es leichter zu verarbeiten ist und Stoffe wie flutschiger Seidenjersey schwer zu bekommen sind/ordentlich ins Budget schlagen… 😛 (falls du noch ein paar Tage warten kannst: Ich hab nen Beitrag über verschiedene Schnitte, die ich ausprobiert habe, in der Pipeline…)
        LG Maria

  3. Mir gefällt Dein Kleid gut – Schnitt und auch der Stoff sind richtig schön – Außerdem steht es Dir sehr gut!
    Vielleicht ändert sich Dein Gefühlt, wenn die Sonne scheint und Du es auch draußen tragen kannst 🙂
    Liebe Grüße,
    Anja

  4. Also ich persönlich bin echt total begeistert von dem Kleid. Genau mein Beuteschema 😀 Den Schnitt habe ich hier liegen und einen ganz ähnlichen Stoff. Gib dem Kleid ne Chance, es sieht toll aus und sitzt auch klasse, ich mag die Kontraste auch total. Schön! 😉 Ich füttere meine Jerseykleider nicht, aber ich bin da auch kein Experte. Könnte mir aber vorstellen, dass das wegen des zusätzlichen Gewichts auch nicht so toll ist, oder? Ich nehm einfach Unterröcke.
    Liebe Grüße
    Katharina

    • Manuela

      Der Futterstoff ist nur querelastisch, was eigentlich verhindert, dass das Kleider länger und länger wird. Um diesen Effekt zu nutzen, hätte ich aber Ober- und Rockteil getrennt füttern müssen … LG, Manuela

  5. Ist doch ein wirklich schönes Kleid geworden! Und es sitzt wirklich hervorragend. Sollte sich der Wohlfühlfaktor bei wärmeren Temperaturen (ich drücke mit Daumen) nicht einstellen, liegt es vielleicht auch am starken Kontrast durch den breiten Streifen Pink am Ausschnitt? Oder ist es dieses „das bin nicht ich“-Gefühl?
    Die Futter-Frage stelle ich mir immer mal wieder. Ich habe für mich beschlossen, mir ein paar Unterkleider und Unterröcke zu nähen – je einmal hell, einmal dunkel, einmal eng, einmal weit – die ich dann beliebig einsetzen kann. Wenn ich das dann auch mal umsetze, hab ich bei kälteren Temperaturen gleich mehr Auswahl im Kleiderschrank 😉 LG, Frieda

  6. Vermutlich liegt deine Unsicherheit daran, dass Kleider aktuell ziemlich aus dem Kleidungsbild verschwunden sind. Geht man einmal durch die Stadt, laufen doch alle in Jeans rum, Röcke und Kleider sind sehr selten. Da fühlt man sich selbst doch ganz fehl am Platz.
    Ich finde, dass dir das Kleid steht, kenne es aber selbst, dass Leute Stücke an mir loben, in denen ich mich einfach nicht wohl fühle. Probier dich doch einfach ein bisschen aus mit dem Kleid und schau, ob ihr warm werden könnt. Und wenn nicht, dann kannst du ja vielleicht noch ein Oberteil daraus machen?
    LG

  7. Ein zauberhafter Stoff! Zum Futter für Jerseykleider habe ich folgenden Tipp.:
    https://aachen-stoffe.de/de/Futterstoffe/Stretchfutter—Taft-elastisch/
    Sehr leicht, gut dehnbar und trageangenehm. Daraus lässt sich auch ein separates Unterkleid nähen, wenn man das Jerseykleid nicht füttern möchte.
    Ich füttere auch Jerseykleider, immer den Rock, oft den Rücken oder alles, je nach Schnitt. Trägt sich angenehmer, hält besser die Form.
    Ich habe mir den Schnitt auch schon angesehen, der ist wirklich hübsch. Der Kragen liegt mir jedoch zu hoch, das wirkt doch etwas zu „artig“. Kann mir das Oberteil von Tuuli sehr gut an diesem Rock vorstellen. LG Kuestensocke

    • Manuela

      Herzlichen Dank für den Stoff-Tip. Ich denke, ich werde die Alternative mal ausprobieren und mir ein Unterkleid nähen. Den Ausschnitt tiefer zu legen, dürfte keine große Sache sein. Vielleicht teste ich das ebenfalls und würde dann bei Gelegenheit berichten. LG, Manuela

  8. Ich füttere nahezu alle Röcke und Kleider aus Jersey mit Wirktüll. Wiegt nichts und ist extrem elastisch. LG Conny

  9. Ich finde, Stoff und Schnitt passen perfekt zusammen. Und das Kleid sitzt wunderbar an dir. Vielleicht brauchst du einfach ein bisschen Zeit, um dich an die neue Silhouette zu gewöhnen?
    Ich hab Jerseykleider schon mit elastischem Wirkfutter gefüttert, allerdings ist das oft nicht antistatisch.
    Liebe Grüße von Doro

  10. Ich finde das Kleid total schön! Du hast Recht: Stoff und Schnitt passen perfekt zueinander. Den Schnitt kannte ich noch gar nicht, merke ich mir aber. Ich habe schon öfter die Erfahrung gemacht, dass sich das Tragegefühl ändert, wenn man einem Kleidungsstück eine Chance gibt. Und falls nicht, finde ich den Vorschlag gut, aus dem Kleid ein Oberteil (und vielleicht sogar noch einen Sommerrock?) zu machen.
    Liebe Grüße
    Christiane

  11. Mir gefällt das Kleid ausgesprochen gut. Ich kannte zwar den Schnitt schon, aber das „habenwollen“ entsteht erst durch dein Exemplar. Ich trage übrigens bei Jerseykleider fast immer ein Unterkleid.

    Liebe Grüße Carola

  12. Das Kleid ist jedenfalls sehr hübsch, auch wenn du dich nicht so richtig damit anfreunden kannst. Das passiert leider manchmal beim Nähen und ist mir kürzlich auch passiert.
    Gefüttert habe ich Jersey Kleider noch nie komplett, nur eines hat ein gedoppeltes Oberteil und extra Unterrock .
    Lg SAbine

  13. Ich sehe sehr begeistert auf dieses Kleid! Am liebsten würd ich es mir herausschneiden und selber anziehen!
    Liebe Grüsse

  14. Ein schönes Kleid! Ich finde es auch nicht zu mädchenhaft, weil es durch die unifarbigen Blenden und den hohen Wickelausschnitt eine sportliche Note bekommt – ich finde das bildet ein schönes Gleichgewicht zu dem zarten Blütendruck.

  15. strickprinzessin

    Mitr gefällt es sehr gut. Ich werde den Schnitt unbedingt nähen :).
    lG Melanie

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