Boyfriend Jeans, Fashion Style 01/2017 & Pattern Hack #2

Ich mag Schnittmusterzeitschriften, leider keine so gern, dass ich sie abonniert hätte. Aus der Fashion Style habe ich bisher nur zwei Oberteile genäht: Das eine ist so abgetragen, dass ich es ersetzen muss, das andere fristet ein Dasein als Schrankleiche. Was mir an der Fashion Style gefällt, ist dass die Schnittmusterbögen nicht so groß und recht übersichtlich gestaltet sind, bei anderen Zeitschriften habe ich mich gern auch mal im Linien-Wirrwarr verloren. 01/2017 (die dtsch. Übersetzung der niederländischen Knip erscheint leider einen Monat später) war eine Leserausgabe, eine ausgezeichnete Idee, wie ich finde, in der die Schnittmusterwünsche einzelner Leserinnen erfüllt worden sind. Das sieht man dem Heft meiner Meinung nach an: Die Schnitte sind zeitloser, natürlich auch konventioneller, es gibt mehr Basics und weniger Jersey-Kleider als sonst.

Schnitt & Stoff

Darunter auch eine Boyfriend Jeans (Mod. 5, keine Schnittvariation), die mir wegen eines eigenwilligen Details aufgefallen ist, der Hüftpasse, die von den vorderen Taschen bis zur hinteren Mittelnaht reicht. Obwohl die Hose in der Ausgabe mehrfach abgebildet ist, sitzen alle Models, sodass man die Schnittführung der Hose, geschweige die Hüftpasse nicht erkennen kann. Interessante Details werden also nicht nur in der Burdastyle verdeckt. Ich frage mich in solchen Momenten, was denken sich Bildredakteure dabei …

Der Stoff, ein nougatbraunes, etwas steifes Poly-Denim-Gemisch mit Fischgrätmuster ist vom Maybachufer. Bei meinem ersten Hosenschnitt aus der Fashion Style wollte ich preislich nicht gleich in die Vollen gehen. Die Knöpfe, das Garn für die Ockerfarbigen Steppnähte und der Futterstoff in Beige sind aus meinem Bestand.

Dazu trage ich einen Pattern Hack von Frau Toni, dem Kapuzensweater von Schnittreif, genäht aus einem Wollstrick, den ich vor ein paar Jahren beim Stoffmarkt Holland mitgenommen und mich lange nicht getraut habe anzuschneiden. Mir war nach einem simplen Pulli mit Raglanärmeln und Stehkragen. Frau Toni war dafür ein guter Ausgangspunkt; – ich besaß den Schnitt bereits, es geht aber auch jeder Andere.

Größe, Passform & Änderungen

Abgepaust habe ich bei der Hose Gr. 40 und zur Taille hin auf Gr. 38 verkleinert. Da es für den Bund und die Gürtelschlaufen kein eigenes Schnittmuster gibt, habe ich auf die entsprechenden Teile der Morgan Jeans von Closet Case Patterns zurückgegriffen, ebenso beim Hosenschlitz, den ich lieber knöpfen statt mit einem Reißverschluss schließen wollte. Beim nächsten Mal würde ich den Bund noch mehr an mein Hohlkreuz anpassen. Er steht leicht ab. Dadurch rutscht die Hose und hängt, wie meine Großmutter gesagt hätte, gerade vorn im Schritt auf halb Acht. Ansonsten finde ich die Passform recht gelungen, H. mein hauseigener Kritiker übrigens auch.

Frau Toni habe ich in Größe M genäht, allerdings zur Taille hin an den Seiten des Vorder- und Rückenteils jeweils 1,5 cm herausgenommen und den Originalschnitt bis auf Nabelhöhe gekürzt. Das Saum- und die Ärmelbündchen sind 10 cm breit, der Stehkragen 7 cm hoch.

Wir haben die Aufnahmen auf dem Weg ins Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum, Schloss Biesdorf gemacht, wo aktuell die Austellung “Blick Verschiebung” zu sehen ist. Allein schon die Villa und der Park, die Italiengefühle aufkommen lassen, lohnen den Besuch.

Anleitung & Schwierigkeitsgrad

Bei der Hüftpasse hätte ich mir eine genauere Angabe gewünscht, wie man diese einschneiden soll. Innen sieht die Ecke für mein Empfinden verwurstelt aus; inzwischen bin ich, was das betrifft, etwas empfindlich geworden. Auch erschließt sich mir die Funktion der Abnäher in den Hosenbeinen an dieser Stelle nicht. Sollen sich derart die Hände leichter in die Hosentaschen stecken lassen? Viel mehr kann ich zur Anleitung nicht sagen, entweder habe ich sie nicht gebraucht oder mich an den Tutorials von Closet Case Patterns orientiert.

Was mich bei Frau Toni gestört hat, ist, dass die Schnittteile auf dem Bogen so platziert sind, dass man einige nochmals abpausen muss. Schnitte ausdrucken und zusammenkleben ist für mich persönlich in Ordnung, aber wenn ich dann noch kopieren und die Nahtzugabe ergänzen muss, geht auch mir langsam die Puste aus …

Was gefällt, was nicht? Nochmals nähen? Weiterempfehlen?

Ein paar Macken hat die Hose leider. Der Übertritt am Hosenbund hat sich leider beim Absteppen durch die Stoffdicke etwas verschoben. Bei meiner nächsten Nähmaschine würde ich darauf achten, dass sich der Nähfußdruck variieren lässt. Als ich die Hose im Juli genäht habe, waren hier hochsommerliche Temperaturen. Insofern verschwand sie erst einmal ungetragen im Schrank. Der Schnitt aus der Fashion Style ist eine Alternative zur Morgan Jeans. Ich wüsste momentan nicht, welcher Hose ich den Vorzug geben würde; natürlich ist die Anleitung von Closet Case Patterns um Längen besser. Der Pulli könnte noch ein Tick schmaler sein. Vielleicht wird es langsam Zeit, selber anzufangen zu konstruieren.

Langsam wurde mir kalt. Hier mit meinem gern und viel getragenen Robson Coat von Sewaholic.

Beim MMM geht es heute um „Alltagskleidung“. Ich kleide mich nicht nur nach Anlass, sondern auch nach Tagesform. Zu solch einem Outfit greife ich, wenn ich in den Hintergrund treten oder mir über das, was ich anhabe, nicht groß Gedanken machen will. Angekündigt war das Motto mit der Frage: „Welche Kleidung möchte ich in meinem Leben?“

Ehrlich, so richtig bin ich zu keinem Schluss gekommen. Nachhaltig, recycelt, womöglich gar vegan? Vorteilhaft? Praktisch und pflegeleicht, untereinander leicht kombinierbar? Oder doch lieber ausgefallen? Und was dann, Designerschnitt oder Vintage? … Mal schauen, was Ihr dazu denkt.

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21 Kommentare

  1. Ich habe gerade eine ähnliche Hose genäht (Probenähen, Schnitt erscheint erst Mitte November), mit Passe und in derselben schlammfarbe. Über die Schnittmusterhefte ärgere ich mich auch oft, ich hab gerade extra nachgesehen ob du die Hose genäht hast, die ich auch in einem Fashion Style Heft habe, in der man auf den Fotos gar nix erkennt, aber meine Ausgabe ist von 2016. Deine Änderungen am Pulli find ich super – schmaler, kürzer, breite Bündchen – so würd ich das auch tragen!

  2. eine sehr schöne Hose und tolle Herbstfotos! Große Klasse. LG Kuestensocke

  3. Buntekleider

    Eine sehr schöne harmonische Garderobe. Allerdings konnte ich den liebevoll gefertigten Stücken nicht die gebührende Aufmerksamkeit schenken.
    Deine phänomenale Tasche hat mich abgelenkt. Hast du die selber gemacht?
    Falls ja, würde ich mich brennend für die Details interessieren.
    LG,
    Claudia

    • Nein, das Label heißt FREITAG, die fertigen Taschen aus gebrauchten LKW-PLanen, die vorab aufwendig (da schadstoffbelastet) gereinigt werden. Die Tasche ist ziemlich simpel aufgebaut, das Problem beim Selbermachen dürfte hier das Material sein. LG, Manuela

  4. Ich finde inzwischen auch bei Hosen einen Formbund wesentlich angenehmer, die stehen dann in der Regel nicht so ab. Die Hose steht dir trotzdem gut, und danke für das Detailfoto der Passe! LG Christiane

  5. Dodosbeadas

    Die Antwort auf die Frage “Welche Kleidung möchte ich in meinem Leben?” hast Du doch schon beantwortet 😉 : “Ich kleide mich nicht nur nach Anlass, sondern auch nach Tagesform”. Das ist doch das Beste am Selbernähen, sich nicht auf eine Bibel festlegen zu müssen, sondern die Freiheit zu haben, nach Tagesform zu entscheiden ob heute Abtauchen in der Menge, Auffallen oder Recyceln passt. Wie auch immer, Dein Outfit ist superschön, die raffinierte Passe der Hose echt sehenswert, und die herbstlichen Fotos sehr stimmmungsvoll. Und der Robson Coat ist awesome!
    liebe Grüße Dodo
    die Dich gern im November wieder in echt treffen würde

  6. Dein Shirt gefällt mir sehr gut, da muss ich doch gleich mal schauen, ich glaube das Schnittmuster schlummert bei mir auch noch irgendwo. Raglan finde ich für mich auch super. Die Details der Hose sind wirklich klasse, so auf den zweiten Blick besonders. LG, Tanja

  7. Die Hose ist toll! Wunderbarer Schnitt und passende Stoffauswahl. Vor allem gefallen mir die Strümpfe und der Gürtel in dem warmen Orange dazu. Ich bin gerade ein wenig neidisch auf das Outfit in Herbstfarben. LG Verena

  8. In den Hintergrund trittst du mit deinem Outfit für mich nicht; mir gefallen deine orangefarbenen Stylingdetails zur Shirt Hosen-Kombi und die Kombi finde ich klasse, weil schön lässig und modern.
    LG von Susanne

  9. Dein Outfit ist sehr hübsch, -herbstlich, praktisch!
    Die Hose ist interessant. Da frage ich mich, ist dieser Abnäher ein reines Designelement in Verlängerung zur rückwärtigen Naht oder gibt es noch einen technischen Grund. Bist du sicher, dass es so richtig genäht ist? Vielleicht soll das Passenteil nur innen unter der Tasche abgenäht sein? Weil das Teil ja auch recht groß ist. Regina

    • Dankeschön! Ich bin nicht sicher, ob ich verstanden habe, was Du meinst. Ich versuch’s einfach mal: Rückwärtige Passe und die Hüftpasse mit angeschnittenem Taschenbeutel sind ein Schnittteil. Es wird zunächst durch das Aneinandernähen der zwei Teile, die den Taschenbeutel formen, mit dem vorderen Hosenteil verbunden. Im nächsten Schritt sollte man laut Anleitung die fertige Hüftpassentasche auf die Nahtzugabe der Seitennaht heften. Warum sollte man das tun, wenn man die Tasche beim Schließen der Seitennähte dann nicht mitfasst? LG, Manuela

      • So würde ich auch denken. Ich wundere mich nur über diesen Abnäher auf der Vorderhose. Der soll vielleicht nur am Passenteil gemacht werden und unsichtbar unter der Vorderhose bleiben. An der Ecke musst du natürlich die Nahtzugabe einschneiden. Oder? Regina

        • Ich teile Deine Verwunderung und kann mir die Funktion des Abnähers an dieser Stelle auch nicht erklären. Die Anleitung beginnt allerdings damit: “Abnäher ins Vorderteil nähen.” Er ist sowohl auf der Schnittzeichung als auch im Schnittteil des vorderen Hosenteil eingezeichnet, auf der Passe ist er hingegen nicht. Ja, an der Ecke musste ich die Nahtzugabe einschneiden. Mir erschließt sich noch nicht, warum er auf der Passe für Dich konstruktiv Sinn machen würde? LG, Manuela

          • Dann weiß ich auch nicht. Die Passe ist ja ein recht großes Schnittteil und vielleicht würde die Hose besser anliegen, dachte ich mir so. Lasse mich lästern, wegen solcher Sachen mache ich alles selbst und weiß warum… Regina

  10. Sehr schön und alltagstauglich dein Outfit. Der Hosenschnitt gefällt mir, deine Kritik an der Fashion Style kann ich nachvollziehen. Mir gefallen auch die Farben sehr gut zusammen. Ich will Kleidung in meinem Leben die ich selbst gemacht habe 😉 Die sonst keiner hat! Das ist die beste! 🙂
    Liebe Grüße
    Katharina

  11. Oh die Hose ist ja auch sooooooo cool!!! Mist, ich habe die fashion style erst diesen Sommer für mich entdeckt… vielleicht bekomme ich sie noch irgendwie… sammel grade hoseninspiration, deine trägt definitiv dazu bei!!! Lg Sarah

    • Falls Du das Heft nicht mehr bekommen solltest und die Hose nähen möchtest, kannst Du mir gern mailen, ich würde Dir das Schnittmuster auch leihen. LG, Manuela

  12. Deine Alltag- und Herbstkombination gefällt mir ausgezeichnet! Die Farben sind klasse, Strümpfe und Schuhe sehen toll zur Hose aus!
    Ich finde den Abnäher an der vorderen Tasche auf dem Detailfoto schick und witzig, vielleicht ist das die einzige Funktion, die er haben soll?
    Übrigens danke für die Rundum-Fotos. Du hast recht, solche Fotos wünsche ich mir auch in den Nähzeitschriften.
    Viele Grüße von
    Luise

  13. klasse Outfit, vor allem die Socken haben es mir ja angetan. 😀
    Zur Hose: ich sehe dein Problem mit dem vorne “hängen”. Wenn du dir andere Hosenmodelle aus der Fashion Style anschaust, die haben alle diese lockere Wurst unterm RV. Ich behelfe mir inzwischen damit, dass ich am Schnittmuster unter dem RV in der Schrittkurve quer bis zur Seitennaht einschneide und die Schrittkurve 1-2 cm eindrehe. Dann ist die Wurst weg. 😉
    lg
    Molli

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